Jahresrückblick 2025 - zwischen den Zeilen
- Christine Ubeda Cruz

- vor 21 Stunden
- 4 Min. Lesezeit

2025 habe ich mir erlaubt, wieder Anfängerin zu sein. Mit Neugier statt mit Können, mit Freude statt mit Anspruch. Das hatte etwas Befreiendes. Das Jahr war leise – und genau darin ehrlich und klar. Ich habe erkannt: Es muss nicht alles ein Meisterwerk sein. Aber es darf meines sein. Und es darf Freude machen.
Es begann mit einer kleinen Hand, einer Brezel und einer Schnecke. Ein Moment, der nichts wollte und doch alles sagte. Er zeigte Selbstlosigkeit und eine ganz natürliche soziale Kompetenz. Ja, so kann aus der Welt etwas werden. Wenn wir teilen. Vielleicht eine Brezel. Sogar mit einer rosa Schnecke. Dieser Moment wurde zu einem stillen Leitfaden für mich. Sanft. Voller Liebe und einfach da.
Jetzt sitze ich am Schreibtisch und blicke zurück. Etwas, was ich nicht so gerne tue. Doch will ich mich an diesem #Jahresrückblog25 beteiligen. Und sollte – so rät die Bloggerqueen Judith – einen Jahresrückblick schreiben. Gut für die Reichweite, gut für viele Leser:innen, gut für die Nahbarkeit. Allerdings: will ich das? JEIN. Jedoch nur auf meine Art. Interessiert es, dass mein Jahr eher so „lala“ war? Dass ich oft krank war? Gereist bin? Erfolge und Misserfolge hatte? All das gab es. Und bleibt privat.
Bilder ohne Fotos
Also: Was für ein Jahresrückblick soll das hier werden? Ich sehe kleine Verschiebungen. Gedanken, die sich einnisteten. Fragen, die wichtig waren. Und Antworten. Unaufgeregt kamen sie zu mir, fast beiläufig – und blieben. Ich habe gelernt: In einer ehrlich gestellten Frage steckt oft mehr Mut als in einer fertigen Meinung.
Ich erinnere mich an diese Szene im Supermarkt, die mich kurz lachen ließ – und dann eine Geschichte schreiben. Eine Kundin fragte ihren übellaunigen Partner in der Obst- und Gemüseabteilung: „Erinnerst du dich noch an den Geschmack von Erdbeeren?“ Eine wunderbare Frage. Keine, die nach einem schnellen Ja oder Nein verlangt, sondern nach einer echten Antwort. Eine, die Gefühle, Wünsche und Sehnsüchte sichtbar macht. Und eine, die nicht beantwortet, was ich nicht weiß – sondern was ich wirklich wissen will.
Eine weitere Frage bewegte mich ebenfalls: Muss der Mensch das Handy sofort zücken, sobald es zuckt? Meine Antwort war überraschend klar: nein. Mein Wunsch dahinter: Freund:innen sehen, umarmen, echte Vibrationen spüren. Solche, die kein Handy liefern kann – nur das Leben selbst.
Nun schaue ich verträumt in die zuckende Flamme einer Kerze und erinnere dieses wunderbar leise Gefühl von Resonanz. Ein Erlebnis mit meinem Lieblingsmenschen hat mich spüren lassen, wie kostbar Echo im Leben ist. Ich liebe diesen inneren Widerhall, der entsteht, wenn Worte, Gesten oder Taten etwas bewegen. Und die Erkenntnis, dass echter Gewinn nicht im perfekten Ergebnis liegt, sondern in dem, was es in uns auslöst.
Das Jahr war voller bröckelnder Gewissheiten. Politische Umbrüche, wirtschaftliche Sorgen, die Frage, ob wir als Gesellschaft eigentlich noch zusammenhalten oder uns bereits gegenüberstehen. So erschütternd, dass ich meine übliche „Gute-Laune-Schreibe“ zugunsten dieses ernsten Themas verließ. Und – oh Wunder – es gab keinen Shitstorm. Stattdessen: ein Fünkchen Hoffnung. Vermittelt mit der Gewissheit, aktiv mitarbeiten zu können und zu müssen. Ohne Spektakel. Sondern mit vielen kleinen beharrlichen Schritten.
Mittlerweile schätze ich sogar den Alltag. Kennst du diese magische Ruhe, wenn manches einfach ist, wie es immer ist? Dieser nicht planbare Mix aus Routinen und Überraschungen? Die stillen Abende am Rechner. Das Nachdenken. Das Schreiben. Der Gedanke: „Wie wunderschön es ist, einfach nur da zu sein.“ Oder der Wochenmarkt am Samstag. Der Spaziergang am Sonntag. Das gemeinsame Kochen. Routine? Vielleicht. Aber sie zeigt mir, wie viel Wärme im Alltäglichen steckt, wenn ich ihm meine Aufmerksamkeit schenke.
Was ebenfalls bleibt:
das Gefühl, nicht immer sofort antworten zu müssen, sondern Präsenz dort zu schenken, wo mein Herz wirklich ist
die Erkenntnis, dass Optimismus kein blinder Glaube ist, sondern eine Haltung. Meine Haltung.
Bei und in mir bleibt, worüber ich nicht öffentlich schreibe:
die stillen Momente der Dankbarkeit an der Seite meines Lieblingsmenschen
die gelegentlichen Zweifel – „Habe ich genug gelebt? Habe ich genug gegeben?“ – und die leise Antwort: Ja.
Manchmal ist das Wichtigste das, was wir nicht aufschreiben. Weil es zu privat und zu kostbar ist. Aber es ist da. Und zählt.
Wenn ich jetzt hier zurück lese, entdecke ich zwischen den Zeilen viele Bilder ohne Fotos. Gefühle, die sich festgesetzt haben. Die mich begleiten und bleiben. Ohne sich aufzudrängen. Ohne Erklärung. Still. Genau richtig. Danke!
Mein Fazit: Ein Jahr wie viele andere – und doch ein Geschenk. Es waren 365 Tage der kleinen Schritte, der stillen Momente, der unsichtbaren Kämpfe. Vielleicht liegt genau darin das Geheimnis: Dass das Leben nicht aus Highlights besteht, sondern aus dem, was dazwischen passiert.
So endet dieser Rückblick mit einem Lächeln. Und der Gewissheit, dass neue Tage, Wochen und Monate vor mir und dir liegen: unperfekt, anstrengend, wunderschön. Let‘s go!



















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