Das Leben malen
- Christine Ubeda Cruz

- 30. Aug.
- 2 Min. Lesezeit

„Wann hast du das letzte Mal etwas zum ersten Mal gemacht?“ Diese Frage stellte uns Margit Heuser am ersten Tag unseres Kurses in ihrem Atelier. Mein Lieblingsmensch und ich schauten uns an – und mussten lachen. Denn die Antwort war: genau jetzt! Mit 60+Jahren, zwei linken Händen und einem fast schon peinlichen Mangel an künstlerischem Selbstbewusstsein standen wir plötzlich vor zwei großen weißen Leinwand. Zwei leere Felder, viel Raum, die uns ziemlich hell anstrahlten. Das reine Weiß wirkte wie eine Provokation, die laut rief: „Na los, gib mir Farbe. Und zwar viel!“ Und wir? Wir standen da, jeder einen kleinen, feinen Pinsel in der Hand und dicke Fragezeichen im Gesicht.
Unser Malkurs: Ein Crashkurs in Demut und Gelächter
"Einfach anfangen. Der Rest ergibt sich …" meinte Margit lachend. Das klang einfach. Und – oh Wunder – es funktionierte. Die ersten Linien waren zaghaft, schüchtern und viel zu klein. Aber sobald weitere Farben die Leinwand berührten, spürte ich so ein kleines Zack! – ein Gefühl, als hätte etwas in meinem Kopf eine neue Schublade aufgezogen. Und plötzlich lief es. Jede Linie, jeder Klecks war eine kleine Befreiung. Perfekt musste nix sein, Hauptsache drauf auf die Leinwand. Immer wieder an unserer Seite: Margit. Bestärkend, ermutigend. Mit schwäbischer Leichtigkeit motivierte sie. Ihr Credo: „Wenn es nicht gefällt, kannst du es ja wieder übermalen. Je mehr Farbschichten, desto mehr Tiefe kennzeichnet das finale Bild.“
Was mich am meisten überraschte: Wie schnell der Kopf Pause macht. Angst vorm Scheitern? Was, wenn es hässlich wird? - Spoiler: Es wurde, sagen wir mal, speziell. Aber das war ok! Es gab schlicht keinen Platz für das ewige Be- und Abwerten. Die Zeit verging wie im Flug. Erstaunlich, wie tief man emotional in Farben versinken kann und dabei, jeder für sich und doch gemeinsam, Spaß hat.
Und nein, bei dieser Session sind sicher keine Meisterwerke entstanden. Eher farbenfrohe Versuchsstücke. Aber kennst du das Gefühl, wie befreiend es ist, NICHT gut sein zu müssen? Gerade deswegen sind wir stolz auf unsere "Werke", sicher (noch) nicht wegen des Ergebnisses, sondern wegen des Prozesses. Denn in jedem Pinselstrich steckt ein Stück von uns. Der Tag hat soviel Freude ausgelöst, dass wir beim Aufräumen uns unisono fragten: Warum zum Kuckuck haben wir das nicht schon viel früher ausprobiert?
Unsere ersten Bilder werden nie in einer Galerie hängen. So what – wir hatten Spaß, hatten eine inspirierende gemeinsame Qaulity-Time, haben etwas probiert und sogar ein Ergebnis erhalten. Unsere ersten selbst gemalten Bilder!
Nun stehen unsere Bilder zu Hause im Arbeitszimmer. Das meines Lieblingsmenschen auf einer selbst gebauten Staffelei – er möchte noch seine Blues-Musik-Wurzeln deutlicher herausarbeiten. Daran hat er gerade, während ich diese Geschichte für euch schreibe, weiter gemalt. An meinem Bild werde ich den Hintergrund noch heller gestalten. Danke Margit für den Hinweis, das einfach auszuprobieren. Wenn’s nicht passt, kann ich es ja wieder übermalen.
Keine Werbung! Wir haben unseren Aufenthalt in Willingen und den Malkurs bei Margit Heuser in Brilon selbst gebucht und bezahlt.














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