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Die weiteren Aussichten: Zuversichtlich

  • Autorenbild: Christine Ubeda Cruz
    Christine Ubeda Cruz
  • vor 2 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 2 Tagen

Gelbe, runde Plastikscheibe von der Schnee runterrutscht
Die weiteren Aussichten: weiterer Schneefall

Im Übergang von einem Jahr ins nächste empfinde ich meist eine Mischung aus Resignation und Tatendrang, aus der selten Neues wird. Wie ich das aushalte? Weil ich mir selbst keinen Druck mache. Eine Haltung, die ich als lebensbejahende Ambitionslosigkeit bezeichne.


Nur weil das Jahr wechselt, muss mein Leben noch lange keine Kehrtwende machen. Und doch empfinde ich das neue Jahr immer wie ein Neuanfang. Alles ist frisch, scheint unberührt. So als würde ich als erste eine große weite Schneedecke auf einer Wiese sehen, "jungfräulich", ganz ohne Fußabdrücke. Ich könnte losrennen – hörst du das Knirschen meiner Sohlen im frischen Schnee? Nein. Genau – weil ich nicht losrenne.


Stattdessen verfahre ganz entspannt nach dem Minimalprinzip. Getreu dem Motto: Ich brauche keine guten Vorsätze. Doch um mich herum biegen sich Festtagsrunde Menschen unter der Last der sich selbst gegebenen Vorsätze. Keinen Alkohol – weil Dry January, der internationale Veganuary ruft und joggen gehen sie auch. Da ist sie dahin, meine unberührte weiße Schneedecke auf der Wiese! Kaum haben sich die watteweichen Schneeflocken entspannt auf ihr niedergelegt, werden sie zertrampelt. Das macht mich dann doch leicht unruhig. Und ganz zaghaft entwickelt sich ein Hauch von Vorsatz. In diesem Jahr wieder, hat schon im vergangenen Jahr nur mäßig gut geklappt: Ich möchte aufhören, Himbeeren im Supermarkt zu kaufen. Weil sie, außerhalb der heimischen Saison, nie meine Sehnsucht nach saurer Süße, Sommer und Sonne befriedigen. Weil ich immer nur die Hälfte der Packung vernasche. Die andere Hälfte scheint dann enttäuscht zu schmollen. Denn: sobald ich sie aus den Augen lasse, sprich im Gemüsefach liegen lasse, schimmeln sie. Also mein Vorsatz: Frische Himbeeren werde ich erst ab Ende Mai auf’m Wochenmarkt kaufen. Bis dahin krönen gefriergetrocknete mein morgendliches Müsli.


Sind Gewohnheiten, Traditionen eigentlich auch als Vorsätze anzusehen? Also dann habe ich noch einen und erfülle ihn bereits seit Kindheitstagen. Ich schaue und höre immer das Wiener Neujahrskonzert. Da können Kopf und Körper noch so feiermüde sein. Spätestens um 11.00 Uhr des Neujahrstages sitze ich im Pyjama, dick eingemummelt unter meiner Kuscheldecke auf dem Sofa und warte auf die Wiener Philharmoniker im Goldenen Saal. Also in meinem Fernseher. Frischer Kaffeeduft weckt meine Sinne, leichte Hungergefühle werden mit den letzten Weihnachtsplätzchen genüsslich weggeknuspert. Und dann, wenn der erste Applaus für Orchester und Dirigent verklungen sind, fluten warme Streicherklänge, zarte Harfentöne und tirilierende Flöten meine Seele und erfüllen mein Herz. Ich schwinge mit, ich fühle mit und wähne mich in ein hauchzartes Tutu gekleidet in einem der Wiener Prunkräume übers Parkett schwebend. Zart, freundlich, und zuversichtlich. Und spätestens beim Donauwalzer meldet sich mein Herzens-Vorsatz – einer, den ich seit Jahren lebe:



Ich bin ZUVERSICHTLICH!


Es war schon lange nicht mehr so leicht, Pessimist zu sein. Aber wem nützt das? Ich habe das Gefühl: Manche machen es sich zu einfach und erwarten ausschließlich das Schlimmste. Und um davor sicher zu sein, verkriechen sie sich. Daheim, in der eigenen Bubble. Aber ist es nicht so: Welche und wie Krisen mich treffen, habe ich nicht unter Kontrolle, übrigens auch nicht daheim! Aber: ich halte den Umgang damit, wie ich reagiere und agiere, in meinen Händen. Dabei hilft mir eine gute Portion Zuversicht.


Wirtschaftspsychologin Vera Starker sagt: "Zuversicht hat das Potenzial, uns handlungsfähig zu halten, auch inmitten von Krisen. Sie ermöglicht es uns, nicht in der Ohnmacht zu verharren, sondern aktiv Lösungen zu suchen, um komplexe Probleme zu lösen. Gerade in Zukunft, …, wird die Kraft der Zuversicht entscheidend sein, um uns kontinuierlich anzupassen und positive Veränderungen zu ermöglichen. Ohne Zuversicht bleibt uns nur das Zögern – mit Zuversicht können wir gestalten."


"Was die Zukunft bringt, können wir nicht sagen – stets liegt das, was vor uns liegt, im Ungewissen, also in der Dunkelheit, weil Zukunft immer schon das war, was wir daraus gemacht haben."

Rebecca Solnit, US-amerikanische Schriftstellerin, Essayistin, Kulturhistorikerin und Aktivistin 





Gerade hat es geschneit.

Wieder liegt hauchzartes Weiß auf der großen Wiese.

Noch ist nichts entschieden. Nichts festgelegt.

Vielleicht ist das genau der Moment, in dem Zuversicht keimt.

Lass uns losrennen. Spuren hinterlassen. Und was aus der Zukunft machen. Ich bin zuversichtlich.

Du auch?


*Erinnerst du diese kleine Geschichte:

Drei Frösche fallen in einen Eimer mit Sahne. Der pessimistische Frosch denkt sich: „Hier komme ich nicht mehr heraus“, und ertrinkt in der Sahne. Der optimistische Frosch denkt sich: „Ach, das ist ja kein Problem, ich werde bestimmt gerettet“, und ertrinkt, weil er doch nicht gerettet wird. Der zuversichtliche Frosch denkt sich: „Das ist eine schwierige Situation, ich sollte alles dafür tun, dass ich hier wieder herauskomme“, fängt an zu treten, bis die Sahne zu Butter wird, und kann sich selbst retten.

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