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Die Hutschachtel ist nass!

  • Autorenbild: Christine Ubeda Cruz
    Christine Ubeda Cruz
  • vor 3 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit

Gelber Smart fortwo
"Mein Kleiner"

„Die Hutschachtel ist nass!“ – das ist ein Satz, der einfach nie fallen sollte. Genauso wenig wie: „Das taugt doch nix.“, oder „Das ist halt das Alter.“


Die nasse Hutschachtel allerdings ist traurige Realität. Was das bedeutet: von innen beschlagene Scheiben, ein feuchter Kofferraum und in mir Herzschmerz. Unerwartet.


Die Hutschachtel – so nennt der Lieblingsmensch meinen Smart Fortwo. Nicht liebevoll. Eher … sagen wir: funktional-despektierlich. In seinen Augen ist das kein Auto, sondern - genau - 'ne Hutschachtel! Dabei ist „der Kleine“, wie ich ihn nenne, seit zehn Jahren mein treuer Begleiter. Zehn! In Autolebensjahren ist das doch mindestens Rosenhochzeit. Ein Jahrzehnt gemeinsamer Wege, vieler Abenteuer, noch mehr Kilometer und einer gewachsenen, stillen Liebe. Der Kleine war bisher immer treu. Keine echten Reparaturen. Batterie gewechselt, neue Reifen – das war’s. Er fuhr immer. Wie ein guter Freund, der nicht fragt, sondern einfach da ist. Und jetzt sammelt er Wasser. Innen.


Anfang der Woche schien endlich mal wieder die Sonne, milde Plusgrade, gute Laune. Beschwingt steige ich ein – und sitze plötzlich in meinem ganz persönlichen Feuchtbiotop. „Tja“, sagt der Lieblingsmensch. Derselbe übrigens, der den Smart immer dann nutzt, wenn er „nur mal kurz in die City“ muss. Denn dann ist „die Hutschachtel“ plötzlich sehr praktisch. Parkplatz? Kein Problem. Wenden? Lächerlich. Verbrauch? Ein Gedicht. „Tja“, sagt er also noch einmal mit schiefem Grinsen „Das ist halt das Alter.“



Das. Ist. Halt. Das. Alter.


Ich starre ihn an. Dann den Kleinen. Und frage mich: Wird er, also der Kleine, jetzt wirklich alt? Geht er langsam kaputt? Ist das der Anfang vom Ende? Oder ist es nur eine undichte Stelle, ein Wehwehchen, das sich mit Zuwendung, Silikon und gutem Willen beheben lässt? Die Heckscheibe. Sie gilt als Schwachstelle, sagt die Smart-Community. Sie lässt das Wasser rein. Also ist sie schuld. Eine neue müsste her. Investition? Ja. Aber lohnt sich das noch? Oder ist das der Moment, in dem ich beginnen darf, Abschied zu nehmen? Und ich mich nach etwas Neuem umschauen sollte? Moderner. Komfortabler. Mit mehr Technik. Aber auch mit dieser Seele?


Natürlich weiß ich, wie absurd diese Gedanken sind. Es handelt sich um ein Auto. Einen Gebrauchsgegenstand. Und doch hängt mein Herz daran. Weil der Kleine mich all die Jahre zuverlässig überall hingebracht hat. Weil er Teil meines Alltags ist. Weil ich weiß, wie er klingt, wenn er gut gelaunt ist. Und wie er sich fährt, wenn er beleidigt ist – meist nach extremen Wetterwechseln oder längerer Standzeit.


Vielleicht gibt es andere Lösungen. Dichtungen prüfen. Abläufe reinigen. Eine Werkstatt finden, die nicht sofort sagt: „Lohnt sich nicht mehr.“ Vielleicht lohnt es sich doch. Weil zehn Jahre Treue nicht einfach so weggespült werden sollten. Nicht einmal von Regenwasser im Kofferraum.


Der Lieblingsmensch zuckt mit den Schultern. „Solange er fährt …“ Ja. Solange er fährt. Und solange er mir dieses kleine Gefühl von Freiheit gibt, wenn ich mich hineinsetze und denke: Komm, wir zwei. Noch ein bisschen.


Mein Kleiner ist nass. Irgendwie mag ich ihn jetzt noch ein kleines bisschen mehr. Ja, mein Herz hängt an ihm. Und vielleicht ist das die eigentliche Frage: Nicht, ob sich die Reparatur lohnt. Sondern ob man eine lang andauernde Liebe wirklich so leicht aufgibt – nur weil sie ein bisschen undicht geworden ist!?



P.S.: Für sachdienliche Hinweise zur Behebung des Problems ist eine herzliche Belohnung ausgeschrieben.

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