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  • AutorenbildChristine Ubeda Cruz

Die Schreibfreundinnen - Wir ÖFFNEN uns einander

Aktualisiert: 30. Apr. 2023


Die Schreibfreundinnen - 6 Frauen I 3 Länder I 6 Geschichten

Ein frischer Abend im Frühsommer 2022. Susanne, Alexandra, Claudia, Marion, Evelyne und Christine sitzen rund um ihr virtuelles Lagerfeuer. Nun schon etwas näher beieinander. Von vorne gewärmt durch das knisternder Prasseln der Flammen. Seitlich gestützt dank der Nähe der Schreibfreundinnen. Nur am Nacken, da ist es noch kühl, ungeschützt. So manches Weißbier, Glas Rotwein oder Tee fließen durch die Kehlen. Wärmt. Von innen. Wir reden. Viel. Zart. Wertschätzend. Vertrauensvoll. Hören aktiv zu. Geben Zeit und Raum. Nie wertend. Immer verständnisvoll. Liebe und Respekt zollend. Wort um Wort baut sich eine tiefe Vertrautheit auf. Schützend. Wärmend. Wir öffnen uns einander. Es geht tief. Sehr tief. Ehrlich. Ergreifend. Lehrend. Und reinigend.


Unser Thema am Lagerfeuer:


Wann hast Du das erste Mal die Stimme in Dir gehört, die die zuflüstert, dass in Dir/mit Dir etwas nicht stimmt?


Da musste ich gar nicht so arg nachdenken. Das fing bei mir früh an. Sehr früh! Ich war so etwa 5 Jahre alt.


Unsere Familie war gerade in ein kleines Siedlungs-Häuschen gezogen. Meine Schwester und ich spielten mit den Kindern auf der Straße. Ja - damals ging das noch ziemlich gefahrlos. Aber - wir konnten nur mittags miteinander spielen. Denn am Vormittag waren die anderen Kinder weg.


Irgendwann bin ich meinen Spielkameradinnen und -kameraden morgens einfach mal gefolgt. Und landete im Kindergarten. Ach war das ein Paradies! Herrlich. Nur Kinder, viel Spielzeug, ein toller Bolzplatz. Und mittags: Kakao und Butterbrötchen.


Natürlich ging das nur ein paar Tage gut. Der Kindergarten wollte mich nicht (also ohne ordentliche Anmeldung und Beitrag). Und meine Eltern wollten den Kindergarten nicht.


Und da war es: Dieses Gefühl, diese erste Gewissheit, nicht dazu zugehören!!!


Das hat weh getan. Sich festgesetzt. Und auch fortgesetzt.


Kurze Zeit später kam ich die Schule. Und auch hier: Ich war anders! Äußerlich. Ich war die Lange, die Dürre. Größer als die größten Jungs. Anders gekleidet als alle Anderen. Meine Eltern waren anders. Als Selbstständige mit Handelsvertretung, Büro und Warenlager waren sie ein Fremdkörper in der damaligen Arbeitersiedlung. Für einige gar eine “großkapitalistische” Bedrohung!


In den Jahren, die einen Menschen stark prägen, hatte ich immer und immer wieder das unschöne Gefühl: Ich gehöre nicht dazu! Das hat mich mein Umfeld - Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene - spüren lassen.


Und das hat sich mein ganzes Leben lang so durchgezogen. Ich war und bin immer anders als die Anderen. Oder die Meisten.


Der große Unterschied heute: Es macht mir nichts mehr aus! Nein, fast kultiviere ich meine Andersartigkeit, meine Einzigartigkeit. Dafür ist aber ganz essentiell: Ein gesundes Selbstbewusstsein!


Das Wort Selbstbewusstsein beinhaltet, meiner Meinung nach, fast alles, was einen Menschen ausmacht.


  • Das “Selbst” - also das “ich-sein” als Individuum

  • Das “Bewusst” - sich über sich selbst im Klaren zu sein, Dinge bewusst zu tun oder zu lassen, sich seiner Fähigkeiten sicher zu sein

  • Und das “Sein” - präsent, anwesend zu sein, im Hier und Jetzt.



Der grosse Knall


war zuerst eher ein dauerhaft grummelndes Gewitter. Über viele Jahre hinweg. Und ich hab’s nicht wahrhaben wollen. Mein “Selbst”, mein “Bewusst” und mein „Sein“ lösten sich in undurchdringlichem Nebel auf. Durch den ich auch mich nicht mehr sehen konnte. Und schon gar nicht fühlen. Getrieben durch eine innere, nicht aufzuhaltende Kraft, raste ich taumelnd durch das, was meine verlorene Seele dachte, das es Leben sei. Ich wollte überall dazu gehören. Weiterkommen. Anerkennung und Lob ernten. Ach was - damit überschüttet werden! Komplimente und Anerkennung, so dachte ich, würden mich „dazugehören lassen“. Aber je mehr ich darum buhlte, um so dichter wurde der Nebel. Dann machte sich harter, grauer Beton in mir breit. Morgens aufstehen, duschen, anziehen, arbeiten gehen - all das war unendlich schwer bis unmöglich.*** Überall war es grau. Und Betonhart.


Doch eine innere Kraft, wo auch immer die noch herkam, überwand diese Starre immer wieder  und machte einfach weiter. Mit immensem Energieaufwand. Unbeweglich. In tiefstem, grauem Nebel.


Klitzekleine Lichtmomente hatte ich, wenn ich in einem schnellen Auto saß und über die Autobahn bretterte. Da machten sich ganz zaghafte Glücksgefühle in mir breit. Eine Idee von Freiheit. Bis sich dann, wieder und wieder dieser eine fieser Gedanke dazwischen schob. Könnte bitte jetzt, hier bei >190km/h auf der linken Spur, bitte, bitte ein anderes Fahrzeug meines sanft touchieren und mich so verletzten, dass ich für mehrere Wochen aus dem Verkehr gezogen würde? Bitte ordentlich und an vielen Stellen verletzten, schwer aber nicht tödlich???***


Krank - oder? Dieser Gedanke manifestierte sich, wurde zum großen Wunsch.***


Zum Glück ist es nie soweit gekommen!


Ein toller großer Blumenstrauß löste einen extrem lauten Knall in mir aus. Von Herzen überreicht. Von lieben Menschen. Von denen ich das nie erwartet hätte. Aber dummerweise nicht von denen, wo ich es mir erhofft hatte. Das ließ das Fass überlaufen …


Dieser Knall war es, der mir Klarheit brachte. Das es so nicht weitergehen kann. Und darf.


Ich stieg aus. Bat um Hilfe und Unterstützung. Suchte sie mir. Und fand sie. Glücklicherweise.



Das war meine Geschichte, die ich am Lagerfeuer im vergangenen Jahr mit meinen Schreibfreundinnen teilte. Ehrlich. Deutlich. Hart. Beim Erzählen wurde mir ganz warm. Nun auch am Nacken. Der empfindlichsten Stelle meines Körpers. Denn ich fühlte mich erkannt. Verstanden. Aufgefangen. Und umfangen. Von Dankbarkeit, Liebe und Fürsorge. Herzlichen Dank ihr Lieben!



Magst Du die anderen Geschichten vom Lagerfeuer nachlesen? Jede für sich ein Juwel. Und so unterschiedlich wie das Leben eines jeden Menschen. Spannend, ehrlich, facettenreich ...


  • Susanne - von finde-deine-spur - die Hawaiianerin in Wien

  • Evelyne - die Sportbegeisterte aus Wien „Be yourself!“

  • Claudia - die MARKEN Fotografin, people Business & Livecoachin, Hundesitterin Boy Heart und „Beuteltierfrau“ aus Nürnberg

  • Alexandra - die Geschichten- und Buch-Schreibende aus dem Fränkischen

  • Marion - die Yoga-Lehrerin zwischen den Welten und der Schweiz










*** Wenn Dich ähnliche Gedanken beschäftigen wende Dich bitte an einen Fachmediziner oder an die Deutsche Depressionshilfe. Hier kann Dir unkompliziert und schnell Unterstützung gewährt werden.

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