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Bleiben ist auch eine Entscheidung

  • Autorenbild: Christine Ubeda Cruz
    Christine Ubeda Cruz
  • vor 4 Stunden
  • 2 Min. Lesezeit
Smartfortwo-Auto auf Smiles
 Auch ein schon länger junger Smartfortwo macht gute Laune


Es gibt Orte, an denen ich unbewusst leiser spreche. Kirchen. Bibliotheken. Und Werkstätten. Letztere betrete ich grundsätzlich mit einer Mischung aus Hoffnung, Misstrauen und der stillen Bitte, dass mir niemand solche Sätze sagt wie: „Das kostet zwölfundneunzig tausend Euro.“ oder „Das lohnt sich nicht mehr.“


Nun steht der Kleine da. Er wirkt fast verloren in der großen Werkstatt. Aber ich fühle mich ein klein wenig hoffnungsfroh. Vielleicht ist ja gar nichts. Vielleicht hat er nur zu stark geschwitzt. War ja saukalt und sehr nass da draußen auf der Straße. Der Werkstattmensch ist freundlich. Auch das stimmt mit hoffnungsfroh. Er schaut, dreht hier und schraubt da, nickt, runzelt die Stirn. Dieses Stirnrunzeln kenne ich. Es bedeutet: Ich weiß etwas, was du noch nicht weißt.


„Also“, sagt er schließlich. Ich halte innerlich den Atem an. Der Lieblingsmensch steht neben mir und wirkt erstaunlich entspannt. Klar, er hat ein eher "praktisches" als ein emotionales Verhältnis zu Fahrzeugen. „Also“, sagt der Werkstattmensch noch einmal, „das ist tatsächlich ein bekanntes Thema.“ Ich atme auf. Bekannt klingt lösbar. Das Problem liegt an der Heckscheibe. Natürlich. Die Dichtung. Das Alter – ja, das Wort fällt auch. Das tut etwas weh. Aber kein Drama. Eher so etwas wie: Wechseljahre, in diesem Fall für die Heckscheibe.


Ich merke, wie sich etwas in mir entspannt. Nicht, weil es billig wird. Spoiler: wird es nicht. Sondern weil niemand gesagt hat: „Weg damit, das lohnt sich nicht mehr.“ „Fahren tut er ja noch gut“, sagt der Werkstattmensch. Ich nicke zustimmend, stolz.


Und mir wird klar: Es geht um meine Haltung. Um Wertschätzung. Auch und vor allem nach zehn Jahren des gemeinsamen Weges. Natürlich könnte ich mir etwas Neues kaufen. Moderner. Mit Assistenten, die mir sagen, wann ich müde bin. Ich fahre lieber weiter mit meiner Hutschachtel.


Der Kleine ist erst mal wieder zurück zu Hause und steht am Straßenrand. Lieferschwierigkeiten des Heckscheibenproduzenten. Zwischenzeitlich gab es viel Schnee und noch mehr Regen. Und der Kleine? Hat das locker und trocken weggesteckt. Kein einziger Wassertropfen hat sich an die Innenseite des Fahrzeugs verirrt. Liebevoll streichle ich über das Lenkrad. Ja, ich tue das. Urteilt ruhig … und denke: Offenbar brauchte der Kleine eine große Portion Zuneigung und Aufmerksamkeit um weiterhin dichtzuhalten.


Der Lieblingsmensch, in einem früheren Leben Automechaniker, sagt: „Na gut. Dann fahren wir ihn halt noch weiter."

Ich lächle.

Er meint es liebevoller, als er zugibt.

Wir alle tun das.

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