Bleiben ist auch eine Entscheidung
- Christine Ubeda Cruz

- 14. MĂ€rz
- 2 Min. Lesezeit

Es gibt Orte, an denen ich unbewusst leiser spreche. Kirchen. Bibliotheken. Und WerkstĂ€tten. Letztere betrete ich grundsĂ€tzlich mit einer Mischung aus Hoffnung, Misstrauen und der stillen Bitte, dass mir niemand solche SĂ€tze sagt wie: âDas kostet zwölfundneunzig tausend Euro.â oder âDas lohnt sich nicht mehr.â
Nun steht der Kleine da. Er wirkt fast verloren in der groĂen Werkstatt. Aber ich fĂŒhle mich ein klein wenig hoffnungsfroh. Vielleicht ist ja gar nichts. Vielleicht hat er nur zu stark geschwitzt. War ja saukalt und sehr nass da drauĂen auf der StraĂe. Der Werkstattmensch ist freundlich. Auch das stimmt mit hoffnungsfroh. Er schaut, dreht hier und schraubt da, nickt, runzelt die Stirn. Dieses Stirnrunzeln kenne ich. Es bedeutet: Ich weiĂ etwas, was du noch nicht weiĂt.
âAlsoâ, sagt er schlieĂlich. Ich halte innerlich den Atem an. Der Lieblingsmensch steht neben mir und wirkt erstaunlich entspannt. Klar, er hat ein eher "praktisches" als ein emotionales VerhĂ€ltnis zu Fahrzeugen. âAlsoâ, sagt der Werkstattmensch noch einmal, âdas ist tatsĂ€chlich ein bekanntes Thema.â Ich atme auf. Bekannt klingt lösbar. Das Problem liegt an der Heckscheibe. NatĂŒrlich. Die Dichtung. Das Alter â ja, das Wort fĂ€llt auch. Das tut etwas weh. Aber kein Drama. Eher so etwas wie: Wechseljahre, in diesem Fall fĂŒr die Heckscheibe.
Ich merke, wie sich etwas in mir entspannt. Nicht, weil es billig wird. Spoiler: wird es nicht. Sondern weil niemand gesagt hat: âWeg damit, das lohnt sich nicht mehr.â âFahren tut er ja noch gutâ, sagt der Werkstattmensch. Ich nicke zustimmend, stolz.
Und mir wird klar: Es geht um meine Haltung. Um WertschĂ€tzung. Auch und vor allem nach zehn Jahren des gemeinsamen Weges. NatĂŒrlich könnte ich mir etwas Neues kaufen. Moderner. Mit Assistenten, die mir sagen, wann ich mĂŒde bin. Ich fahre lieber weiter mit meiner Hutschachtel.
Der Kleine ist erst mal wieder zurĂŒck zu Hause und steht am StraĂenrand. Lieferschwierigkeiten des Heckscheibenproduzenten. Zwischenzeitlich gab es viel Schnee und noch mehr Regen. Und der Kleine? Hat das locker und trocken weggesteckt. Kein einziger Wassertropfen hat sich an die Innenseite des Fahrzeugs verirrt. Liebevoll streichle ich ĂŒber das Lenkrad. Ja, ich tue das. Urteilt ruhig ⊠und denke: Offenbar brauchte der Kleine eine groĂe Portion Zuneigung und Aufmerksamkeit um weiterhin dichtzuhalten.
Der Lieblingsmensch, in einem frĂŒheren Leben Automechaniker, sagt: âNa gut. Dann fahren wir ihn halt noch weiter."ï»ż
Ich lÀchle.
Er meint es liebevoller, als er zugibt.
Wir alle tun das.












Ich freu mich mit dir, dass du deinen Kleinen behalten kannst.