top of page

Was haben Schmetterlinge im Bauch, wenn sie verliebt sind?

  • Autorenbild: Christine Ubeda Cruz
    Christine Ubeda Cruz
  • vor 3 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit
Hummel in einer pinken Blüte
Was haben wohl Hummeln im Bauch, wenn sie verliebt sind?


Alles begann mit der Frage, die ich im lauen Sommerwind irgendwo aufgeschnappt habe:


„Was haben Schmetterlinge im Bauch, wenn sie verliebt sind?“


Ich kann mich nicht erinnern, wer diese Frage zuerst gestellt hat. Vielleicht ein Kind auf einer Sommerwiese? Oder ein verliebtes Paar, dass sich noch immer zulächelt wie am ersten Tag? Oder war es vielleicht der sommerwarme Wind?


Jedenfalls flatterte die Frage in mein Bewusstsein. Und in meine Ideenbox für Geschichten. Gut so. Denn: Jede Geschichte ist erzählenswert.


Also: Was haben Schmetterlinge im Bauch, wenn sie verliebt sind?


Leicht wie ein erster zarter Strahl der frühen Morgensonne gleitet ein Zitronenfalter anmutig über die blühende Sommerwiese. Kein Windstoß kann seine Flugbahn beeinflussen, kein Tautropfen bringt ihn vom Weg ab. „Haltung ist alles“ pflegt er zu sagen, wenn die Heuschrecke bei der Landung mal wieder kopfüber strauchelt.


Auch heute sitzt er, der Zitronenfalter, wie es seine Gewohnheit ist, kerzengerade auf der Blüte einer Gartenaster und sonnt sich. Und das macht er, Haltung ist alles, ganz anders als andere Schmetterlinge. Sittsam faltet er seine gelben Flügel zusammen und setzt sich seitlich dem Sonnenlicht aus.


Gerade poliert er sich die Fühler, da fliegt sie vorbei. Ein Pfauenauge. Dunkelbraun, mit vier dramatisch bunt gezeichneten Augen auf den Flügeln. Elegant landet sie auf der Blüte einer Distel, faltete die Flügel einmal auf, einmal zu – als würde sie winken – und schaut nach der nächsten Blüte.


Der Zitronenfalter öffnet den Mund, um „Guten Tag“ zu sagen. Doch alles was herauskommt, ist ein merkwürdiges Brummen. Er versucht zu räuspern. Und spürt urplötzlich ein dumpfes, tiefes Kribbeln im Bauch. Ein Gefühl, als könne er um sich selbst kreiseln. In seinem Kopf herrscht Durcheinander. Er beginnt zu schwitzen und urplötzlich leuchtet sein Gesicht Signalrot.


„Alles in Ordnung mit dir?“, fragt eine trockene Stimme neben ihm. Die Libelle, seine liebe Bekannte, sitzt auf einem Grashalm und musterte ihn kritisch.


„Alles Bestens“, presst der Zitronenfalter hervor und hebt zum Abflug an – elegant, wie immer, denkt er. Dabei fliegt er eher wie ein betrunkener Kieselstein.


Statt in sanften Bögen zur Distel hinüberzugleiten, torkelt er im Zickzack durch die Luft, sackt plötzlich ab, fängt sich wieder und landet schließlich mit einem wenig würdevollen Plumps mitten auf einem Butterblume – anderthalb Meter am eigentlichen Ziel vorbei.


„Beeindruckend“, sagt die Libelle. „Das war fast ein Rückwärtssalto.“


„Das war Absicht“, zischt der Zitronenfalter und versucht, sich mit angemessener Würde wieder aufzurichten. Das misslingt, weil sein Bauch schon wieder brummt.


Er robbt – es gibt gerade kein anderes Wort dafür – zurück zur Distel, auf der die Pfauenauge-Dame inzwischen amüsiert eine Augenbraue hebt. Nun, genaugenommen hat sie keine Augenbrauen. Aber die Art, wie sie den Kopf schief legt, sagt irgendwie alles.


„Alles gut bei dir?“, fragt sie.


„Vollkommen“, sagt er und stolpert dabei über mindestens eines seiner sechs Beine.


Sie lacht. Ganz warm. Mit einem Klang, der noch mehr Hummeln in seinem Bauch aufscheucht. Instinktiv hält er sich an einem Blütenstempel fest, sicher ist sicher.


„Weißt du“, sagt die Pfauenauge-Dame, „ich hab gehört, du bist der eleganteste Flieger der ganzen Wiese.“


„Der bin ich auch“, sagt der Zitronenfalter, während seine Flügel unkontrolliert zucken.


„Aha“, sagte sie und grinst jetzt unverhohlen.


In diesem Moment gibt der Zitronenfalter es auf. Ergeben lässt er die Schultern hängen, so gut ein Schmetterling das eben kann, und seufzt. „Ehrlich gesagt“, gesteht er, „hab ich gerade das Gefühl, als würde eine ganze Hummelfamilie in meinem Bauch Handball spielen.“


Die Pfauenauge-Dame lacht wieder, diesmal noch lauter, und setzt sich neben ihn. „Also doch nicht nur Haltung“, sagt sie.


„Anscheinend nicht“, gibt er zu.


Sie blieben eine Weile so sitzen, während unten auf der Wiese die Libelle kopfschüttelnd weiterzieht und irgendwo eine Heuschrecke bei der Landung erneut strauchelt – zum ersten Mal, ohne dass der Zitronenfalter etwas dazu sagt.


Also, was haben Schmetterlinge im Bauch, wenn sie verliebt sind?

Hummeln, die brummen, stolpern, alles durcheinanderbringen – und sie trotzdem fliegen lassen.

1 Kommentar

Mit 0 von 5 Sternen bewertet.
Noch keine Ratings

Rating hinzufügen
Gast
vor 14 Minuten
Mit 5 von 5 Sternen bewertet.

🐝

Gefällt mir

Nichts verpassen? Stories abonnieren:

Danke für Dein Mail. Ich melde mich schnellstmöglich.

  • Facebook Social Icon
  • Instagram
bottom of page