#WMDEDGT - Ein Beeren-Bäriger Sommertag
- Christine Ubeda Cruz

- vor 2 Tagen
- 3 Min. Lesezeit

Über diesen Sommer ist schon fast alles gesagt: zu heiß, zu trocken, viel zu ausdauernd. Ich habe mich mittlerweile arrangiert – mit fragwürdigen Kleidungs-Kombinationen, literweise kühlem Tee und Abenden auf der Terrasse, an denen ich den Fledermäusen bei ihrer Flugshow zuschaue. Nachts, beziehungsweise in aller Herrgottsfrühe, stehe ich sowieso auf, um zu lüften. Diese Stunde nutze ich gleich für meine Runde durch den Stadtwald.
So auch heute. Auf dem Weg dorthin, ein paar Straßen weiter – da saß er.

Dieses wunderschöne Wesen. Schneeweiß, mit hoher Wahrscheinlichkeit unfassbar weich, gut 1,50 Meter groß – also mehr Mitbewohner als Kuscheltier. Nur leicht angeschmutzt, sonst tadellos in Schuss. Entspannt ans Gartentor gelehnt, mit einem Schild: zu verschenken! Ein Anblick, der sofort das Kind in mir weckt – ich fühle mich auf der Stelle wieder wie 3. Lächelnd gehe ich weiter. Auf dem Weg wächst der völlig erwachsene Entschluss: Sitzt er nachher, nach eineinhalb Stunden, immer noch da – nehme ich ihn mit.
Wenn du mir schon länger folgst, weißt du: Ich liebe es, die Schätze des Waldes zu entdecken. Eigentlich ist jetzt Brombeerzeit. Betonung auf „eigentlich“ – denn bei dieser Trockenheit gibt es nur wenige, winzige Früchte, dafür jede Menge luftgetrockneter Mini-Brombeeren gratis dazu. Mein Snack verschiebe ich also nach Hause. Kein Drama, im Kühlschrank warten noch Johannisbeeren.

Und du ahnst es schon: Der Bär hat gewartet. Glücklich schnappe ich mir das Kuscheltier und trabe nach Hause. Offenbar ist eine weißhaarige, verschwitzte Sechzigplus Frau mit einem übergroßen weißen Teddy im Schlepptau ziemlich erheiternd – jedem, der mir begegnet, huscht ein Lächeln übers Gesicht, zwei Radfahrer klingeln sogar Applaus. Sofort ist eine neue Projektidee geboren: Flashmob in der City, eine Horde Erwachsener mit ihrem Lieblingskuscheltier durch den Hauptbahnhof. Stimmungsgarantie, oder? Wärst du dabei?
Mein Lieblingsmensch grinst breit, als ich mit dem Bären durch die Tür komme. „Den musst du aber erst mal waschen.“ Der Versuch, das Tier in die Waschmaschine zu stopfen, scheitert zum Glück an schierer Masse – schon der Gedanke, wie es sich hilflos im Kreis dreht, tut mir körperlich weh. Also: ab in die Dusche, mit mir. Der Lieblingsmensch beschwert sich prompt, dass er nie mit unter die Dusche darf – viel Spaß mit diesem Kopfkino. Heute schäumt der Bär in Ingwer-Zitrone, danach darf er auf der Terrasse trocknen und relaxen.
Beim Mittagessen – Parmigiana di Melanzane – landen wir wieder beim Bären, allein schon, weil er uns von draußen so drollig beim Essen zusieht. Der braucht einen Namen, finde ich. Björn, schlage ich vor, schwedisch für „Bär“ (frag nicht, woher ich das weiß). Mein Lieblingsmensch findet Fred passend. Ich kontere: Warum werden Bären eigentlich automatisch männlich gelesen? Penelope fände ich schön. Oder Alba, die Weise.
Wie würdest du das Felltier taufen?
Während ich hier am Schreibtisch bei tropischen Temperaturen vor mich hin schmelze, liegt der Bär (oder die Bärin) draußen entspannt in der Sonne, mittlerweile trocken. Da kommt mein Lieblingsmensch zurück und fragt: „Warum hast du das Viech eigentlich mitgebracht?“ – so nennt er das Flauschteil inzwischen.
"Na, für die Enkelkinder natürlich! Die kommen doch am Wochenende!"
Er schüttelt lächelnd den Kopf: „Schon klar, du Kindskopf.“
Ich könnte jetzt behaupten, der Bär sei ausschließlich für eine 3-Jährige und eine 6-Jährige bestimmt. Aber seien wir ehrlich: Als ich ihn am Gartentor sah, war ich selbst 3. Und als ich mit ihm nach Hause trabte, mindestens 6. Manchmal braucht eine fast 63-Jährige einfach einen viel zu großen Teddy, um sich für einen Sommertag wieder wie ein Kind zu fühlen.
***
#WMDEDGT – was machst du eigentlich den ganzen Tag? Tja, was machst du den ganzen Tag? Am 5. eines jeden Monats lädt #FrauBrüllen ein, genau das aufzuschreiben. Und viele lesen es. Danke dafür.




















Oh jaa, ich wäre gern beim Flashmob dabei! Wir sind früher öfter mit Bären unterwegs gewesen (heut brauch ich Krücke zum Laufen, da geht das nicht mehr gut) und wir haben unseren - mein Schatz brachte ihn mit - an einem wunderbaren Ort im Namen des Groszen Bären Zebedäus getauft. Es gibt nämlich Bücher von Zebedäus Bär und die hat unser Bär gelesen... https://maschas-buch.blogspot.com/2018/10/baren-taufe.html Ein kleiner Tip noch: Dein Link führt nicht zu Dir, sondern wieder zu Frau Brüllen - vielleicht kannst Du es noch korrigieren?
Liebe Grüsze aus sehr weiter ferne, so dasz das mit dem Flashmob wohl nix wird, aber im Geiste bin ich dabei -
Mascha
Liebe Christine,
ich hätte als Namen noch Urs…ula und Artemis als Vorschläge. Jemand aus dem Off findet aber, dass „Knuddel“ am Besten passt. Liebe Grüße, Astrid
PS deine Verlinkung bei Frau Brüllen funktioniert glaube ich, nicht richtig.