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36 Grad und es wird noch heißer

  • Autorenbild: Christine Ubeda Cruz
    Christine Ubeda Cruz
  • vor 2 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit
Wassermelonen-Stücke mit schwarzen Kernen
Sommerliches Lebenselexier

Monatelang wurde gejammert. Zu kalt, zu grau, zu nass. Alle riefen nach Sonne, potenzierten ihre Sehnsucht auf den Sommer. Und dann kommen sie, also Sonne und Sommer, so inniglich erwünscht, und schon jammern dieselben Menschen „Puuh, es ist einfach viel zu heiß!“



Sommer oder Hitzewelle?


Nun ist es also sonnig, trocken, warm bis heiß. Und wieder sind alle unzufrieden. Schimpfen über die Mischung aus Backofen und Sauna und sehnen sich nach einer unerreichbaren, Kühle versprechenden, Fata Morgana. Duschen kann man getrost ausfallen lassen. Gefühlt macht es keinen Unterschied, ob das Wasser aus der Brause kommt oder der Körper es sich selbst zur Kühlung abzapft.


Eckart von Hirschhausen sagte kürzlich in einem Podcast-Trailer: "Fieberthermometer enden bei 41 Grad – nicht ohne Grund. Für höhere Temperaturen ist der menschliche Organismus schlicht nicht gemacht."


Stimmt. Also ich auf jeden Fall nicht. Es ist anstrengend. Nachts – natürlich wegen der Hitze – kann ich nicht schlafen und tigere vom 27 Grad warmen Schlafzimmer vorsichtig auf die Terrasse, um zu prüfen, ob es dort kühler ist. Ist es natürlich nicht. Außen- und Innentemperatur sind praktisch identisch. Die Luft steht, kein Windhauch bewegt auch nur ein Blatt.



Was hilft gegen Hitze?


Außer sich ins Kino, Museum, Einkaufszentrum oder ins klimatisierte Büro zu flüchten? Erstaunlich wenig. Internet, Zeitungen und Medien überschlagen sich zwar mit Tipps: Sonne aussperren, viel trinken, körperliche Anstrengung meiden, leicht essen. Aber hilft das wirklich? Allenfalls ein bisschen. Denn kein Mensch kann dauerhaft liegend nur von Wassermelone leben.



Wo bleibt die viel gepriesene Sommer-Erholung?


Werbung, Urlaubserinnerungen und das Internet wollen uns weismachen, der Sommer sei ein Zustand permanenter Glückseligkeit: flatternde Leinenkleider, ein kühler Drink, romantische Sonnenuntergänge, sanft plätschernde Wellen. Ein schöner Traum – solange man nicht, aus welchen Gründen auch immer, in München, Wien, Frankfurt oder Berlin bleiben muss.


Das wahre Leben sieht dann doch anders aus. Früh morgens, denkst du, ist es bestimmt noch kühl, und willst rasch deinen Wassermelonen-Vorrat auffüllen. Die Windschutzscheibe hast du vorsorglich mit Folie abgedeckt – und verbrennst dir trotzdem fast die Finger am Lenkrad. Spontan entscheidet die Klimaanlage, den Geist aufzugeben. Sie hat sich wohl, du ahnst es, überhitzt! Am Wochenmarkt angekommen, stellst du fest, dass alle anderen noch früher da waren und den gesamten Wassermelonen-Vorrat der Stadt bereits aufgekauft haben. Resigniert greifst du zu Kirschen und Salatgurken.


Schnell schleppst du die Beute zum Auto. Die Klimaanlage – ach ja… also beide Fenster auf und los. Beachwaves in den Haaren? Bekommst du gratis. Radio an, und schon fühlt sich der Sommer an wie „Summer in the City…“


Zuhause lässt du die Einkäufe erschöpft auf den Küchenboden sinken. Drinnen fühlt es sich kurz etwas kühler an – dank des einen Geräts, das hier auf Hochtouren läuft: dem Ventilator. Ihm gebührt der Titel „Mitarbeiter des Monats“, auch wenn er, ehrlich gesagt, nur dieselbe warme Luft von hier nach da schiebt. Aber wehe, jemand schaltet ihn aus – sofort merkt man, wie viel er eigentlich gegeben hat, um es uns ein bisschen erträglicher zu machen.


Und dann gibt es diese Menschen, denen weder trockene noch schwüle Hitze etwas anhaben kann und die bei 36 Grad erst richtig aufblühen. Wir anderen aber hecheln, wedeln uns Luft zu und kleben an der Sitzfläche fest – elegant verpackt in luftdurchlässigem Leinen. Etwas zerknittert, aber immerhin edel. Denn „Leinen knittert edel“ – du erinnerst dich an diesen Werbeslogan - oder?



Also, was hilft nun wirklich gegen die Hitze?


Meiner Erfahrung nach: nichts. Der einzige Geheimtrick heißt Aushalten! Man kann uns noch so oft erzählen, dass nicht zu kaltes Wasser mit Zitrone das Leben verändert. Ehrlich? Tut es nicht. Es erfrischt. Bleibt aber Wasser mit Zitrone.


Also: im Schatten bleiben, Wasser trinken – mit oder ohne irgendwas, ganz nach Geschmack –, langsam machen, wenn's im Kopf trubelig wird, und einfach akzeptieren, dass sich die Welt gerade ein wenig langsamer dreht.


Und demnächst hören wir uns dann wieder. Spätestens dann, wenn der Sommer vorbei ist. Es wieder kalt, nass und grau ist. Versprochen! Dann können wir wieder jammern.


2 Kommentare

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Gast
vor 2 Tagen

Ja, ja. Ewige Jammerlappen! Zu kalt, zu warm, zu nass, zu trocken, zu windig, zu wasweißichwas! Ich streich dann mal überall das "zu" und genieße den heißen Sommer!


Grüße an den Main, liebe Christine. Lass dir die Wassermelonen, Kirschen und Gurken gut schmecken.

Edith

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Gast
vor 2 Tagen
Antwort an

Na ja, manchmal darf man auch mal stöhnen! Und dabei ganz einfach das genießen, was ist! Mach's dir fein, liebe Edith 😎

Sonnige Grüße Christine

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