Leg doch mal „das Ding“ weg!
- Christine Ubeda Cruz

- 14. Juni
- 2 Min. Lesezeit

Jeden Morgen das gleiche Spiel. Mein Smartphone — ich nenne es auch gerne „das Ding“ — zeigt mir ungeschönt die Nutzungsdauer des Vortages. Mist. Da ist also ein guter Teil meiner Zeit geblieben.
Hast du den Mut, regelmäßig nachzuschauen? Oder soll ich es anders formulieren: Wie viele Stunden hat „das Ding“ dich heute benutzt?
Ich will nur mal schnell das Wetter checken. Nehme „das Ding“ in die Hand. Könnte natürlich auch einfach auf die Terrasse gehen und das Wetter fühlen. Mache ich aber nicht. Stattdessen: zwei WhatsApp-Nachrichten, ein kurzer Blick auf Instagram — zack — und schon bin ich in einer Welt, die mit meiner Lebensrealität herzlich wenig zu tun hat. Was wollte ich noch? Ach ja. Die essentielle Frage dieses Sommers klären: Pulli oder Leinenhemd? Mist. Schon wieder x Minuten verdaddelt.
Eigentlich bin ich Optimistin. Aber meine gute Laune gegenüber „dem Ding“ hat mittlerweile tiefe Risse. Je länger ich mein eigenes Verhalten beobachte — und das der Menschen um mich herum — desto wütender werde ich.
Warum tun wir uns das an?
Wieso verderben wir uns den Morgen mit schlechten Nachrichten, statt in Ruhe den ersten Kaffee zu genießen? Weshalb bleibt von dem positiven Artikel, den ich gerade lese, so wenig hängen? Vielleicht, weil ständig Push-Nachrichten aufblinken und meine Aufmerksamkeit in zwölf Richtungen gleichzeitig zerren.
Und überhaupt: Wieso gilt es mittlerweile als Heldentat, einen Abend mit Freunden oder eine S-Bahn-Fahrt zu überstehen, ohne aufs Handy zu schauen?
Wir reden viel über das, was Handys und soziale Netzwerke bei Kindern anrichten. Zu Recht. Aber hey — wir sind Erwachsene. Mit angeblich ausgereifter Selbstregulierung. Hm …?
Genug geschimpft. Denn eines kann ich nicht verleugnen: „Das Ding“ ist in vielen Fällen wirklich praktisch. Jedoch zahlen wir einen hohen Preis, sagt die Wissenschaft. Die digitale Welt manipuliert unser Belohnungssystem. Wir swipen weiter, Dopamin wird ausgeschüttet, wir wollen mehr. Und wenn das Gerät mal nicht in Reichweite ist, meldet sich sofort dieses unangenehme Gefühl: Verpasse ich gerade etwas Wichtiges?
Ein Buch hat ein Ende. Das Netz nicht. Manche behaupten, dieses Labyrinth sei extra so gebaut: keine echten Antworten, kein Ende, nie wirklich befriedigend.
Glaubst du nicht? Dann sag mal zu deinem Lieblingsmenschen: „Leg doch mal das Handy weg“, und beobachte die Reaktion. Genervt. Vielleicht leicht aggressiv. Und gleichzeitig ein bisschen beschämt. Fast wie bei anderen Abhängigkeiten. Wir reden uns ein, alles sei unter Kontrolle. Obwohl wir insgeheim längst wissen: Die Kontrolle hat „das Ding“.
Was also tun? Coole Zeitgenossen sagen: „Leg es einfach hin.“ Klar. Ich kenne tatsächlich zwei!!! Menschen, die in der Freizeit wieder ein altes Handy nutzen — eines, mit dem man „nur“ telefonieren kann. Andere haben in der Familie einen kleinen Wettbewerb laufen, wer am wenigsten Bildschirmzeit hat. Scheint zu funktionieren.
Wir brauchen echte Aktivitäten, muntere Gespräche und handyfreie Lebenszeit. Das klingt altmodisch. Na und?
Wenn du bis hierhin gelesen hast: DANKE und herzlichen Glückwunsch. Diese Geschichte hat jetzt hier ihr Ende. Leg „das Ding“ weg. Und raus mit dir in die echte Welt!













Liebe Christine,
wie herrlich klingt mal wieder dein Text. Ich sehe vor meinem inneren Auge sowohl den erhobenen Zeigefinger, als auch das beschämte vor-sich-hingucken, weil ertappt. Du hast ja so recht. Und deshalb hör ich jetzt hier auf und wende mich dem Leben zu. Ohne "das Ding".
Also ich habe noch nie im Leben ein Handy besessen. Es ist mir schlicht zu nervig, an solchem Ding herumzuknibbeln und diese kleine Schrift kann ich eh kaum noch lesen (sicher gibts Geräte für Sehschwache, aber damit fange ich auch nicht erst an) - ich habs generell nicht so mit der Technik, um mir da auch noch Frust anzutun! Natürlich wäre es fein, im Markt per App 20% Rabatt zu kriegen..aaaaber: die Situation an der Kasse ist eh schon stressig genug, alles aus-und viel zu schnell wieder einpacken zu müssen und dann noch nach Geld zu kramen, da wäre ich doch nur heillos überfordert und auf solche Situation kann ich gern verzichten. Und zum Telefonieren hab ich es auch noc…