Kleine Dinge, großes Glück - oder: warum ich wieder Hoffnung schöpfe
- Christine Ubeda Cruz

- vor 2 Tagen
- 2 Min. Lesezeit

Neulich saß ich abends auf dem Sofa, die Nachrichten liefen, und mittendrin dachte ich: Ich stehe jetzt auf und hole mir ein Glas Wein. Nicht, weil ich Wein wollte. Sondern, weil ich kurz rausmusste. Kennst du das?
Momentan geht es wirklich heiß her – da draußen in der Welt. Unberechenbare Politiker, globale Konflikte und dann, obendrauf, auch noch starker Pollenflug. Was denn bitte noch?
Ja, ich schaue die Nachrichten. Aber Nachrichten am Abend, kurz vor dem Einschlafen? Schlechte Idee. Pushnachrichten vor dem ersten Kaffee? Noch schlechtere. Wer sich dauerhaft zu vielen negativen Meldungen aussetzt, riskiert, was Medienpsychologe George Gerbner in den 1990ern das »Gemeine-Welt-Syndrom« nannte: Die Welt wirkt düsterer, gefährlicher und hoffnungsloser, als sie ist. Unser Blick auf die Realität verdunkelt sich – und irgendwann glauben wir, das sei die Wahrheit.
Dabei ist es nur ein Teil der Wahrheit.
Denn in den letzten Tagen habe ich auch die anderen Nachrichten wahrgenommen. Und dabei ist mir etwas passiert, das ich fast vergessen hatte: Ich war gerührt. Richtig gerührt. Und spürte plötzlich Hoffnung. Weil es sie gibt. Die guten Nachrichten.
Zum ersten Mal in der Geschichte der Fußball-Bundesliga trainiert eine Frau eine Männermannschaft der ersten Liga. Sollte eigentlich selbstverständlich sein – war es bisher nicht. Ich denke vor allem an all die Mädchen und jungen Frauen, die das jetzt sehen. Die zum ersten Mal denken: Ach so. Das geht also auch.
Die Menschen in Ungarn haben sich durch ihre Stimmabgabe friedlich und demokratisch aus Orbáns Machtsystem befreit. Einfach so. Mit einem Stimmzettel.
Es ist Frühling. Überall blüht und grünt es. Ja, auch die Pollen fliegen – aber ohne sie würde im nächsten Jahr nur wenig Neues sprießen. Ich habe beschlossen, das als Beweis zu werten, dass die Welt noch funktioniert.
In Helsinki wurde eine über einen Kilometer lange Brücke eröffnet – nur für Fußgänger:innen, Radfahrende und die Straßenbahn. Kein einziges Auto.
Wer regelmäßig Vögel beobachtet, trainiert womöglich nebenbei auch sein Gehirn: Eine Studie zeigt, dass erfahrene Vogelbeobachter:innen nicht nur Arten schneller erkennen, sondern auch stärkere neuronale Verbindungen aufweisen. Die Natur macht uns klüger. Ich finde das tröstlich.
Und dann – dann hat die Eisdiele wieder auf. Mehr brauche ich manchmal nicht.
Klingt das zu einfach? Zu naiv? Mikro-Optimismus bedeutet nicht, die Augen vor dem großen Ganzen zu verschließen. Es ist kein Eskapismus, keine rosa Brille, kein kollektives Schulterzucken. Und kollektiver Pessimismus – nur damit das auch gesagt ist – ist kein Ausdruck echter Empathie. Er lähmt uns eher.
Mikro-Optimismus heißt: im Alltag bewusst die kleinen, positiven Momente wahrnehmen und würdigen. Nicht statt der schwierigen Realität – sondern neben ihr. Das spendet Lichtblicke. Es macht resilient. Und es erinnert uns daran, dass Veränderung nur möglich ist, wenn wir wissen: Eine bessere Welt ist denkbar. Wer Hoffnung hat, verliert dabei nicht den Blick auf die Probleme. Im Gegenteil – Hoffnung aktiviert. Sie motiviert. Und manchmal reicht dafür eine Kugel Mango-Eis in der Sonne.
Der Main fließt weiter. Wir auch.

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