Elster - was glitzert, muss weg!
- Christine Ubeda Cruz

- vor 5 Tagen
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Aktualisiert: vor 5 Tagen

Elstern sitzen hier häufig in den großen Pappeln am Main. Kreischen ganz schön laut. Jetzt hat sich eine auf meinem Desktop breit gemacht. Und die zwitschert auch, aber leise. ELSTER. Elektronische Steuererklärung. Soll mein Leben vereinfachen. Na dann …
Im Volksmund wird der Elster, also diesem schwarz-weiß gefiederten Vogel, nachgesagt, Dinge zu stehlen. Vor allem Glitzerndes. Die Mär hält sich eisern. Zwischenzeitlich haben Wissenschaftler den Vogel von diesem Vorwurf freigesprochen. Die Tiere fühlen sich von glitzernden Gegenständen gestört. Was stört, muss weg. Und genau das machen diese cleveren Tierchen.
Ich habe nun eine Elster* auf dem Rechner. Also den Zugang dazu. Ziemlich smart. Ich mag technische Dinge, die mir das Leben erleichtern. Und auch noch papierlos funktionieren. Ich glaube auch in diesem Jahr: die Elster und ich, wir wuppen das. Also die Steuererklärung.
Die Elster verhört mich. Name, Familienstand, Kontoverbindung – geschenkt. Aber dann: Homeoffice-Tage? Mit welchem Verkehrsmittel zur Arbeit? Hey, Elster, wir kennen uns doch kaum!
Das Gezwitscher der Desktop-Elster ist komplex. Spricht in einer mir fremden Sprache. Die ich nur unzulänglich verstehe. Ich suche. Und finde: Nix! Weder Google noch die KI spucken mir Übersetzungshilfe für „Finanzisch“ oder „Steuerdeutsch“ aus.
Die Elster versucht auch zu helfen. Immer wieder weist sie mich auf Fehler hin. Auf Unstimmigkeiten. Bietet aber keine Lösung an. Die muss ich wohl selbst finden. Ich, die Unwissende. Der Mathematik immer ein Graus war. Setzten – ungenügend. Da meldet sich wieder mein innerer Horst – strenger Mathelehrer, nie zufrieden, immer dabei. Entnervt schalte ich den Rechner ab. Und greife zum Rotweinglas. Ich weiß, Alkohol löst keine Steuerprobleme. Aber er macht sie für kurze Zeit kleiner.
Ist ein Steuerberater die Lösung?
Pause. Kurz mal was anderes machen. Ich rufe meine Freundin an. Die gibt mir den Rat: „Such Dir ‚nen Steuerberater!“ Ernsthaft? Was soll ich denn mit dem, wenn ich die Elster habe? Soll alles umsonst gewesen sein? Wofür waren dann all die Stunden zwischen Schreibtisch und Fußboden, übersät mit Ordnern, Zetteln, Belegen und Post-its? Sogar aufs Yoga habe ich heute verzichtet. Zuverlässig meldet sich mein ‚innerer Horst‘ mit dem Wissen, das die Steuer gemacht werden muss. Jammern, zaudern, prokrastinieren nützen nicht.
Durchatmen. Weitermachen. Ich sitze wieder am Schreibtisch. Schaue die Elster kritisch an. Und sende meine Bestellung ans Universum, dass jetzt alles gut wird. Dass die Elster und ich ein Team werden. Hand in Hand arbeiten. Und gemeinsam das Schiff sicher und korrekt in den Finanzamt-Hafen steuern. Die Anzahl der hohen Wellen, also Unstimmigkeiten, auf die die Elster mich hinweist, werden weniger. Das Fahrwasser ruhiger. Und irgendwann sagt die Elster mir: anlegen! Uups, nein, sie fragt: „Daten übermitteln?“ Ein Klick, fertig.
Die Steuererklärung wird nun, wie durch Zauberhand, an mein örtliches Finanzamt gesendet. Dort wird sie wahrscheinlich ausgedruckt. Auf Papier.
So. Jetzt weiß die Elster alles. Und – entgegen aller wissenschaftlicher Beobachtungen – greift sie nach Glitzerndem. Wenn es sie stört bzw. das Finanzamt der Meinung ist, dass weitere Steuern fällig sind.
Doch nicht in diesem Steuerjahr. Denn: wenn ich alles richtig eingetragen habe, werde ich demnächst selbst zur Elster. Und verstecke das Glitzernde, also meine Steuererstattung – all die schönen Taler – ganz schnell. Weil – das Glitzern stört mich …
😜
2023 habe ich schon einmal über die Elster geschrieben. Und drei Jahre später mache ich das noch immer. Schreiben. Und die Steuer mit Elster. Wir haben uns arrangiert. Irgendwie. Sie weiß alles über mich. Und ich noch immer nahezu nichts über sie bzw. die Steuer. Aber in einem bin ich sicher: Elster vergisst nichts. Dafür haben wir eine Beziehung für die Ewigkeit – ob ich will oder nicht!
Herzlichen Dank fuck the falten. Euer Kalenderblatt** vom Samstag inspirierte mich zu dieser kleinen Geschichte. Oder war's umgekehrt?
* ELSTER steht für die ELektronische STeuerERklärung und soll eine effiziente, zeitgemäße, medienbruchfreie und hochsichere elektronische Übertragung jeglicher Steuerdaten zwischen den Bürgern und Finanzbehörden ermöglichen. Hierfür wird eine kostenfreie Anwendung, namens ELSTER, zur Verfügung gestellt. Diese soll als interaktive Webanwendung mit höchster Sicherheit, schnell und komfortabel sein. Quelle: www.elster.de
** unbezahlte Werbung. Kalender selbst gekauft und bezahlt.












Ich lach mich schlapp, liebe Christine, und bin so frei, diesen Artikel mit interessierten Menschen zu teilen.
Herzlichst, Edith