Ich wollte weniger kaufen. Doch in diesem Katalog gibt es sogar ….
- Christine Ubeda Cruz

- 31. Mai
- 2 Min. Lesezeit

Weniger kaufen. Klingt einfach. Ist es auch – gäbe es nicht so dolle Angebote wie das Einhorn-Plopperspiel oder den gelenkschonenden Vario-Napf. Dinge, von denen ich bis eben nicht wusste, dass ich sie brauchen könnte. Aber dann liegt der Pro-Idee-Katalog* im Briefkasten.
Ich weiß bis heute nicht, warum er uns in schöner Regelmäßigkeit findet. Kein Abonnement, kein Erstkauf. Er kommt einfach. Wahrscheinlich sind wir in dem Alter. Für Kataloge zum Blättern. Meist kommen drei Hefte. Mindestens dreimal im Jahr. Zuverlässig wie diverse Rechnungen. Allerdings deutlich unterhaltsamer.
Kaum liegen die Hefte auf dem Couchtisch, beginnt das Ritual: Der Lieblingsmensch stürzt sich auf die technischen Spielereien und verschwindet gedanklich zwischen der „elektronischen Tierabwehr 2in1“ und dem „Musik Boxtrainer“. Nur so am Rande: Wir haben KEINEN Garten. Und gegen Ameisen und Wespen auf der Terrasse ist das „Tierabwehr-Ding“ machtlos.
Ich bin die Blätternde. Erst schnell, dann langsam genüsslich und mit Tee. Denn das hier ist mehr als ein Katalog. Das ist die Leistungsschau des Absurden, Überflüssigen und herrlich Überkandidelten. Und auf jeder zweiten Seite denke ich: Tolle Idee. Brauch’ ich. Dringend.
Jede noch so schräge Idee wird Wirklichkeit
Zum Beispiel die COOL CAP. „Natürliche Verdunstung sorgt für einen kühlen Kopf. Bis zu 5 °C unter Außentemperatur." Die bestelle ich – schließlich habe ich mir fest vorgenommen, mit kühlem Kopf weniger zu … na, ihr wisst schon.
Oder der Hopfenbaum. Kurz gezielt, und wie von Zauberhand fliegt der Kronkorken zum Bierbaum. Neodym-Supermagnet. „Ein Spaß, der staunen lässt – und für Ordnung sorgt.“ Ob der auch Tore für die Nationalmannschaft anzieht? Frage für einen Freund.
Und dann: die Balloon Dog-Leuchte von Jeff Koons, neu interpretiert, Museumsqualität, Echtheitszertifikat mit Hologramm, Signatur unter den Hundepfoten – für schlanke 750 Euro zzgl. Versandpauschale. Ich war kurz dabei. Wäre ja auch ein Geschenk gewesen. Für mich. Da sehe ich „Aktuell nicht verfügbar.” Natürlich. Das Universum schützt mich vor mir selbst.
Das Studium dieser Hefte verführt mich sogar, vielleicht liegt es aber auch an den hochsommerlichen Temperaturen, zum Philosophieren: Wer denkt sich einen Bierbaum aus? Und wer baut dann mehrere davon? Was hat den Erfinder zu dieser Idee geführt? Und warum wird das Ding nun auch noch produziert, verkauft und gekauft?
Ich tippe ja auf Onkel Herbert von der Trinkhalle an der Ecke, hier in Frankfurt liebevoll „das Wasserhäusje“ genannt, der es leid war, die Kronkorken seiner Stammkunden aufzukehren. Seine äußerst praktische Idee macht ihn jedoch unfreiwillig und ganz zufällig zum Industriedesigner.
Geschenk oder Tinnef?
Ein Freund baut gerade die WM-Lounge seiner Träume: Garagenwand anmalen, Flaggen anbringen, TV-Wand installieren, Ehrengalerie der Nationalmannschaft. Ein freies Feld ist für den diesjährigen Titel reserviert. Optimismus als Raumkonzept.
Ich weiß jetzt, was ich ihm mitbringe. Den Hopfenbaum. Natürlich. Mit Neodym-Supermagnet. Für Ordnung. Und so. Und für seinen Hund den gelenkschonenden Vario-Napf. Der Arme hat nämlich Arthrose. Also der Hund.
Den Katalog habe ich endlich weggelegt. Mit kühlem Kopf. Dank der Cool Cap.














Guten Morgen :) auch ich bekomme diesen Katalog, obwohl es nie einen Kauf oder ein sichtbares Interesse von mir gab und mein wirtschaftlicher Score unterhalb des Grundwasserspiegels liegt (manche Versandhäuser überprüfen das ja, aber dieses offenbar nicht)... Bei mir fliegt der sofort unbesehen in den Papierkorb.
Bei sowas fällt mir immer das Buch des Bisams ein - "Von allem Unnötigen", siehe Tove Janssons Mumintal. Bisam sagte immer: "Von allem Unnnötigen sind xxx das Allerunnötigste" - - - -
Schönen Sonntag
Mascha