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Angekommen - ganz ohne Umzug

  • Autorenbild: Christine Ubeda Cruz
    Christine Ubeda Cruz
  • vor 9 Stunden
  • 2 Min. Lesezeit
Bunte Vorhängeschlösser an einer Brücke mit Citypanorama im Hintergrund
Liebesschlösser am Eisernen Steg in Frankfurt, die im goldenen Licht der untergehenden Sonne leuchten.

„Wo ist deine Heimat?“, fragte mich eine Frau, die ich gestern auf einer Veranstaltung kennenlernen durfte. Eine Frage, die nach unserem aufschlussreichen Gespräch noch lange in mir nachhallte und am Abend im Schreibraum mit Gleichgesinnten erneut aufkam. Duplizität der Ereignisse!?


Tja, wo ist meine Heimat? Örtlich gesehen in Frankfurt. Schon immer. Wenn ich nach einer Abwesenheit die Skyline in der Ferne auftauchen sehe oder die ersten Bäume meines Stadtwalds – dann spüre ich. Hier bin ich zu Hause. Meine Schultern lassen ein bisschen locker. Der Atem wird ruhiger. Da bin ich wieder.


Aber Heimat ist für mich noch etwas anderes. Etwas, das tiefer sitzt.


Um das zu erklären, möchte ich einen Bestseller erwähnen, den vor etwa sechs Jahren gefühlt alle in meinem Umfeld gelesen haben: „Das Kind in dir muss Heimat finden“ von Stefanie Stahl. Ich hab’s auch gelesen – beziehungsweise: ich hab’s versucht. Ehrlich. Sogar mit Arbeitsbuch. Und saß da, Stift in der Hand, und wartete darauf, dass sich irgendetwas in mir heimatlich fühlt. Aber es rührte sich nur Widerstand. Diese Art der Arbeit mit mir war mir zu abstrakt, zu weit weg von dem, was ich nicht spürte.


Irgendwann, irgendwo zwischen den Seiten des Arbeitsbuches und dem sich nicht einstellenden Verstehen, hat sich jedoch etwas in mir verschoben. Fast nicht wahrnehmbar. Eher so, wie sich die Sonne an einem grauen Tag ganz zaghaft durch die Wolkendecke schiebt und etwas Wärme abgibt. Ich spürte: Nicht das Kind in mir muss Heimat finden. Ich muss Heimat finden – in mir selbst.


Das hat gedauert. Und einige Umwege gekostet, die ich heute nicht mehr missen möchte. Irgendwann war da dieses Gefühl: Ich bin angekommen. Nicht irgendwo draußen – sondern drinnen. Im Bauch. In der Brust. In mir.


Heute wohne ich warm in mir. Sicher. Angenommen. Das ist kein Satz aus einem Selbsthilfebuch – das ist eine körperliche Wahrheit, die ich jeden Morgen neu überprüfen darf und meistens bestätigt bekomme. Das Fundament steht. Ich spüre es.


Heimat ist für mich also keine Adresse. Nicht mal Frankfurt, so sehr ich es liebe. Heimat ist dieses ruhige Einverständnis mit mir selbst – wenn der Atem fließt, die Schultern unten bleiben und ich weiß: Hier bin ich!



Wo ist deine Heimat?

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