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Von Häuschenbesitzern und Hausfriedensbruch

  • Autorenbild: Christine Ubeda Cruz
    Christine Ubeda Cruz
  • 19. Juli
  • 2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 20. Juli

Gefleckte Weinbergschnecke auf grüner Paprikaschote

Mollusken können ganz hübsch sein … und erstaunlich schnell. Vor allem, wenn es darum geht, meine liebevoll hochgepäppelten Paprikapflanzen bis auf den Stängel abzuraspeln. Oder die schon 50 cm hohen Erbsenranken – übrig blieb nur eine schleimige Spur Neon-silbrigen Glanzes. Rittersporn, Sonnenblume (Danke schön, liebe Freundin!) … alles weg. Hä, haben Schnecken eigentlich einen Bauch?



Mein kleines Paradies


Eigentlich liebe ich die Natur vor meiner Haustür. Grünspechte hacken im Rasen, Amseln, Meisen und Spatzen wohnen mietfrei in den Hecken, Elstern thronen ganz oben im Sequoia des Nachbarn. Ohne Insekten und Weichtiere gäbe es dieses Ökosystem nicht. Gegen Schnecken, vor allem die hübschen mit eigenem Haus habe ich erstmal nichts. Es sei denn, sie sehen mein Gemüse als All-inclusive-Buffet dekoriert mit bunten Blüten.


Paprika weg? Bleib cool! - dachte ich – dann haben die Tomaten eben mehr Platz. Als aber auch Erbsen, Rittersporn und Sonnenblume dem Hunger der schleimigen Kriechtiere zum Opfer fielen, reichte es mir. Das Internet spuckte martialische Methoden aus: Schnecken mit der Grillzange zerquetschen und weit weg werfen, mit kochendem Wasser übergießen, zerschneiden. NO! So gehe ich mit keinem Lebewesen um. Außerdem: Die wütenden Schneckenbekämpfer im Netz jagten Nacktschnecken. Bei mir auf der Terrasse tummeln sich aber ausschließlich die hübschen mit eigenem Eigenheim.



Rette die Hortensie


Regenabend, erneuter Schneckenalarm: Eine dicke Gehäuseschnecke führt eine ganze Truppe ihrer Artgenossen direkt zur Hortensie. Ich stürze hinaus, packe sie am Häuschen – hat da jemand gequiekt? Können Schnecken Töne von sich geben? Noch ein Versuch. Da, ganz deutlich. Mitgefühl macht sich in mir breit, ich flüchte wieder ins Trockene und recherchiere. Ergebnis: unklar. Nächster Versuch: Mit alternativen Köstlichkeiten locken – funktioniert nicht. Also die Pinseltechnik: Schnecke mit den zarten Borsten eines Pinsels kitzeln, dann „verschneckt“ sie sich in ihr Haus. Vorsichtig platziere ich sie auf einem Teller und den am Ende des Gartens … am nächsten Morgen ist er leer.



Wissenschaftlicher Versuch: Schnecken-Weitwurf


Was ich bei meiner weiteren Recherche herausfand lies mich staunen. Zwei britische Forscher markierten die Häuschen der bei ihnen heimischen Schnecken mit verschiedenfarbigen Punkten, warfen sie ein paar Meter weit weg – und staunten: Viele waren nach 13 Tagen zurück, manche bei Regen schon nach 24 Stunden. Erst bei einer Entfernung von 60 Metern fanden nur noch 3 von 151 Mollusken zurück.


Mein Fazit: Entfernung ist alles.

Beim nächsten Regen hebe ich die Schleimer mit Pinsel & Feingefühl auf und bringe sie mindestens 60 Meter weit weg zur nächsten Grünanlage. Das ist mein First-Class-Umzugsservice, gratis und Lebenserhaltend! Wenn sie dann den Weg zurückfinden, verhandle ich über eine faire Pacht. Vielleicht mit frischen Salatblättern…

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