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Olivia, die Mutige

  • Autorenbild: Christine Ubeda Cruz
    Christine Ubeda Cruz
  • vor 3 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit

Mode-Skizze eines Rollkragen-Pullovers
Strickkleid für Olivia


Sie ist – ich muss es so deutlich sagen – eine Persönlichkeit. Und zwar die einzige an meinem kleinen Olivenbaum auf der Terrasse. Das Bäumchen sieht aus wie ein mediterraner Gruß aus dem sonnigen Spanien: silbrige Blätter, zarte Blüten und ein Duft, der mich glauben lässt, ein Stück der iberischen Halbinsel hier am Main zu haben.


„Ein Olivenbaum? Hier? Und sogar mit Blüten? Das wird doch nix …“, meint die Nachbarin. „Die brauchen Sonne, salzige Meeresluft und … na, Spanien.“ Das Bäumchen jedoch blüht einfach weiter. Aus den Blüten entwickeln sich winzige grüne Perlen, kaum größer als Samenkörner. Mutig färben sie sich dunkelviolett. Stolz zeige ich die „Micro-Oliven“ der Nachbarin und warte weiter geduldig darauf, dass sie sich zu „ordentlichen“ Früchten entwickeln.


Doch die Natur folgt ihrem eigenen Fahrplan. Tag für Tag purzeln immer mehr der dunklen Perlen zu Boden. Fehlt die Sonne? Gibt es zu viel Regen oder einfach zu wenig Spanien? Oder haben sie schlicht keine Lust, ein Leben als Olive in Frankfurt zu beginnen? Niemand weiß es …


Nur eine bleibt. Eine kleine, runde, entschlossene Überlebenskünstlerin. Sie wächst. Wird dicker. Dunkler. Während ihre Geschwister längst dem Kreislauf der Erde unterworfen sind, entwickelt sie sich langsam zu einer „Olive mit Zukunft“.


Ich beobachte sie jeden Tag. Irgendwann dreht der Main den Kalender. Und je näher der Winter rückt, desto größer wird meine Zuneigung. Ich kann sie einfach nicht mehr nicht ernst nehmen, diese tapfere Olive. Deshalb nenne ich sie „Olivia – die Friedliche“.


Olivia - die mutige, friedliche und einzige Olive an meinem Baum
Olivia - die Friedliche, Mutige

Doch jetzt mache ich mir Sorgen. Sorgen um Olivia und ihre existenziellen Zweifel, wie ihr Olivenleben wohl weitergehen wird. „Was wird aus mir?“, mag sie denken, seit die Nächte immer länger werden. „Olivenöl? Eingelegt in Lake? Luftgetrocknet?“


Ich bilde mir ein, dass sie bei warmem Herbstsonnenlicht dazu neigt, optimistisch zu sein. „Vielleicht werde ich ein feines Öl! Etwas Edles, das man in winzigen Tropfen über Pasta träufelt. Ich könnte ein Gourmetprodukt sein!“


Doch sobald graue Wolken kommen und der Wind stärker an dem Ast rüttelt, wird Olivia pessimistisch. „Vielleicht falle ich herunter … und rolle in die Regenrinne – nur um dann von einem frechen Eichhörnchen geklaut zu werden.“ Und an besonders regenreichen Tagen sinniert sie darüber, wie sie sich mit vielen anderen Oliven wohl in einer Salzlake fühlen würde.


Vom Wetter und den Sorgen seines einzigen Nachwuchses völlig unberührt steht das Olivenbäumchen mittlerweile warm in dicke Kaffeesäcke vermummelt nah am Terrassenfenster. Und Olivia? Sie hängt noch immer an ihrem Ast. „Ganz schön mutig, die Kleine“, denke ich und grüble, wie ich sie vor den winterlichen Wetterkapriolen schützen kann.



Die Rettung?


Variante 1: Das Oliven-Winterkleid (DIY-Idee)

Ich könnte die Stricknadeln zücken und ein kleines, wolliges Überziehkleidchen für Olivia nadeln. Wärmend, modisch, natürlich in der Trendfarbe Mocha Mousse, der Pantone-Farbe 2025. So eingemummelt sähe sie aus wie das „Topmodel“ unter den Früchten – und würde ganz sicher den Winter überstehen.


Variante 2: Die Einzigartige in Salzlake

Olivia könnte ihren Ehrenplatz in einem besonders schönen Glas bekommen: in feiner Salzlake mit Rosmarinzweig, einem Hauch Zitrone und einer guten Portion Wertschätzung. Sie wäre darin nicht einfach konserviert, sondern verewigt. Ein Kunstwerk im Glas. Und sie könnte zufrieden zu sich sagen: „Ich habe den Zenit meines Olivenlebens erreicht – stil- und würdevoll.“


Variante 3: Olivia bleibt hängen

Das ist vielleicht die romantischste, aber sicher auch härteste Variante – ich lasse Olivia einfach weiter dort hängen, wo sie jetzt ist. Sie glänzt im Abendlicht, trotzt Schneeregen und zeigt, dass manchmal das Einfachste das Beste ist: bleiben, durchhalten und weiterglitzern.


Was meinst Du – welches Schicksal hat Olivia verdient? Winterkleid, Salzwasserbad oder Baumprinzessin? Schreib's in die Kommentare - ich bin gespannt!




Epilog: Was Olivia mir schenkt


Die Erkenntnis, dass es manchmal reicht, einfach da zu sein. Nicht perfekt. Nicht massentauglich. Nicht einmal besonders nützlich. Dafür aber einzigartig.

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