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Mehr als ein Sonntag im Mai.

  • Autorenbild: Christine Ubeda Cruz
    Christine Ubeda Cruz
  • 10. Mai
  • 2 Min. Lesezeit

Mann im schwarzen Anzug mit Hut, weiß geschminktem Gesicht und einem großen Blumenstrauß mit roten und weißen Rosen
Lasst Blumen sprechen ...

Heute ist Muttertag. Vor den Blumenläden stehen die Menschen Schlange, die Supermärkte haben gestern schnell noch Sträuße und Schokolade nachbestellt, und auf Social Media fluten Fotos von Frühstückstabletts, Rosengestecken und handgemalten Kinderkarten die Timelines.


Schön. Wirklich.


Und gleichzeitig denke ich an all jene, für die dieser Sonntag einfach ein schöner Frühlingstag ist. Manchmal auch ein schwerer. Für Frauen, die keine Kinder haben. Menschen, die keine Mutter mehr haben. Und die, bei denen beides zutrifft — die weder anrufen noch angerufen werden. Die heute einfach so durch den Tag gehen, während die Welt um sie herum Blumen verschenkt.



Woher kommt dieser Tag eigentlich?


Die Geschichte des Muttertags in Deutschland ist weit weniger romantisch, als das Blumenmeer vermuten lässt. Die Idee kam ursprünglich aus Amerika: Eine Frau namens Anna Jarvis wollte Anfang des 20. Jahrhunderts einen persönlichen Gedenktag für ihre verstorbene Mutter ins Leben rufen.


In den 1920er Jahren griffen der deutsche Blumenhandel die Idee auf — und wenig später instrumentalisierten die Nationalsozialisten den Tag für ihre Zwecke. Mütter wurden zu Heldinnen des Volkes erklärt, Mutterschaft zur staatsbürgerlichen Pflicht.


Was draus wurde, wissen wir.


Nach dem Krieg verschwand die Ideologie. Zum Glück. Der Tag blieb — wieder dank der Blumenindustrie. Bereits in den 1950er Jahren war der Muttertag einer der umsatzstärksten Tage für den Handel. Mittlerweile möchte fast jeder Geschäftszweig davon profitieren: Pralinen, Schmuck, Restaurantbesuche, Spa-Gutscheine, Kosmetik, Mode …


Anna Jarvis übrigens hat sich noch zu Lebzeiten öffentlich von dem distanziert, was aus ihrer Idee geworden war. Sie nannte es kommerziellen Unsinn und versuchte, den Tag abschaffen zu lassen.


Hat nicht geklappt. Der Handel war stärker.


Heute werden rund eine Milliarde Euro zum Muttertag ausgegeben — das meldet der Handelsverband Deutschland für 2026. Eine stolze Summe, mit der Menschen versuchen, Wertschätzung auszudrücken. Ich möchte das nicht schlecht reden. Aufmerksamkeit ist wundervoll. Freude schenken sowieso.


Und trotzdem steckt im Konzept dieses Tages ein Widerspruch, den ich nicht ignorieren kann. Wenn Muttersein wirklich so bedeutsam ist, wie die Gesellschaft behauptet — warum genügt uns dann ein einziger Tag im Jahr, um das anzuerkennen?



Wagen wir mal ein Gedankenexperiment?


Was wäre, wenn wir Wertschätzung nicht auf einen Sonntag im Mai fokussieren würden? Wenn wir sie durch Nähe, Verständnis, Hilfe und Wärme ausdrücken würden — statt durch Dinge? Wenn wir einfach mal anriefen — nicht weil es der Kalender sagt, sondern weil uns jemand gerade in den Sinn kommt? Und wenn wir Fürsorge nicht erst feiern, wenn jemand ein Kind geboren hat?


Und was wäre, wenn wir heute auch kurz an die denken, die diesen Tag leise verbringen? An die, die keinen Strauß kaufen und keinen bekommen. An Menschen, die eine Mutter vermissen — eine, die sie verloren haben oder nie wirklich hatten. Und an die, die selbst keine Mutter wurden oder werden konnten.


Ihre Gefühle sind kein Randthema. Ihre Erfahrungen keine Ausnahme. Sie sind Teil dieser Gesellschaft — heute und an jedem anderen Tag.


Vielleicht wäre das der eigentliche Gedanke, den dieser schöne Maitag verdient: ein Tag der Fürsorge füreinander. Für alle, die geben. Für alle, die vermissen. Für alle, die einfach da sind. Das, glaube ich, hätte auch Anna Jarvis gefallen.


In diesem Sinne: euch ALLEN einen guten, fürsorglichen Sonntag.


2 Kommentare

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Edith
11. Mai

Liebe Christine,

ich bin so ganz bei dir. Liebe und Wertschätzung muss es jeden Tag geben und nicht nur an Muttertag. Ich fang dann schon mal in meinem kleinen Umfeld damit an. Vielleicht zieht es ja Kreise.

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Gast
12. Mai
Antwort an

Liebe Edith, oh ja, lass uns eine Initiative starten! Wertschätzung für alle!!!

Ich versuche es, Tag für Tag. Vielleicht wird daraus ja was…

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