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  • AutorenbildChristine Ubeda Cruz

Die Schreibfreundinnen - Ups, wir treffen uns! Kann eine virtuelle Freundschaft Bestand in der realen Welt haben?


Buntstftskizze von 6 Freundinnen
Freundschaft - das ist wie Heimat


Geht’s nur mir so? Oder hat sich die Definition von Freundschaft in den vergangenen Jahren verändert? Manchmal habe ich so ein komisches Gefühl, dass ich mit jedem außer meinen leibhaftigen Freunden befreundet bin. Früher haben Freundschaften davon gelebt, dass Frauen mindestens alle zwei Tage miteinander telefoniert und sich garantiert wöchentlich leibhaftig getroffen haben. Und da wurde geredet. Viel und über alles. Heute erfolgt der Austausch über einen kleinen Bildschirm in unserer Hand. Praktisch und schnell. Dafür aber manchmal ganz schön eindimensional.



Du, ich kenn’ Dich!


Wisch&weg, und schon weiß ich über „das Leben meiner Freunde" Bescheid. Meint man zumindest. Wenn man sich jeden Tag die Storys anderer Menschen anschaut, Stunden in gemeinsamen Zoom-Meetings verbringt oder in Gruppen auf Lernplattformen paukt, kommt man nicht umhin, eine gewisse Vertrautheit aufzubauen. So sehr, dass ich kürzlich eine mir „eigentlich“ fremde Person im Supermarkt herzlich begrüßen wollte, weil ich ab und an mal ihre Story schaue und wir auf Instagram befreundet sind. Ich muss diese Person sehr strahlend angestrahlt haben. Und sie war einigermaßen irritiert … Und ich ehrlich gesagt, als ich bemerkte, was ich da gerade beabsichtige zu tuen, dann auch! Wobei - man weiß ja vorher nie, was daraus wird ...



Orte für Begegnungen


Liegt das daran, dass sich in der zurückliegenden Zeit unser soziales Leben so stark verändert hat? Notgedrungen durch die Pandemie? Und sich damit auch ein Teil unserer Freundschaften? Also ich, für meine Person, muss da nicken. Ein ganz beachtlicher Part meines soziales Leben fand lange überwiegend online statt. Und es war erstaunlich, wen und was ich alles kennenlernen durfte. Welche Chaoten und, viel wertvoller, welche Juwelen sich da offenbarten. Schön, dass ganz besondere Verbindungen und Freundschaften entstanden. Die so unglaublich wertvoll sind. Und für die ich ausgesprochen dankbar bin. Beziehungen, die Qualität, Verbindung und Bestand haben. Und, trotz digitaler Welt, ausgesprochen emphatisch sind.


Nun hat uns das „normale“ Leben schon einige Zeit wieder zurück. Und damit der ganz normale Wahnsinn zwischen Arbeit, Familie, Einkaufen, Weiterbildung, Urlaub und echten Begegnungen. Auf einmal fehlt wieder die Zeit sich zu verabreden, zu treffen. Der Übergang zwischen der Zeit „ohne“ zu der Zeit „mit" leibhaftigen Treffen will stellenweise nicht so recht klappen. Gefühlt zu oft kommt mir der Satz unter: Ach, wir müssen uns nicht treffen. Das können wir doch auch via Zoom, Facetime oder was auch immer, klären oder besprechen. Oder: lass uns doch einfach vielleicht telefonieren. Irgendwie ganz arg eindimensional – oder? Wo bleibt da die Ganzheit eines Miteinanders, eines Menschen, mit allen Emotionen, Gefühlsregungen, Mitgefühl oder Antipathie?



Der Bildschirm als Nadelöhr zur Welt


Irgendwie habe ich das Gefühl, dass der Bildschirm nahezu sämtliche Bereiche unseres Lebens bestimmt. Führt das dazu, dass wir den Zugriff auf unsere Gefühle, Einschätzungen, Wissen und Erfahrungen verlieren?


Heute Morgen ist mir etwas Komisches passiert. Ich klappe das Laptop zu, um meine morgendliche Runde durch den Stadtwald zu ziehen. Am Fenster stehend will ich eigentlich nach dem Wetter sehen, um zu entscheiden, ob es die Regen- oder die „andere-Jacke“ sein soll. Und weißt Du, wohin ich stattdessen blicke? Nicht etwa zum Himmel. Sondern auf das kleine digitale Ding in meiner Hand. Ich schüttle den Kopf. Bin irritiert. Und frage mich: Bin ich abhängig? Desorientiert? Traue nicht mehr meinen eigenen Sinnen? Meiner Erfahrung und meinem Wissen? Brauche ich immer und jederzeit eine Bestätigung des weltweiten Netzes?



Gegen die Flachheit der Welt


Dann gehe ich raus. Und bin wieder irritiert. Denn lt. Wetter-App herrscht trockenes, kaltes Wetter. Und was machen diese dicken dreidimensionalen Regentropfen auf meiner „anderen-Jacke“? Wer hat jetzt recht? Was ist die Realität? Hat meine Fähigkeit zum räumlichen Sehen durch die viele Zeit vor dem Monitor abgenommen? Irgendwie kommen mir gerade auch die Figuren der Menschen, die mir begegnen, so übertrieben plastisch vor. Fast wie bei meinem ersten 3-D-Kinofilm. Das war Avatar und ich wollte ständig nach den herumschwirrenden Glühwürmchen greifen.



Warum einfach, wenn es auch umständlich geht?


Wir, die #Schreibfreundinnen, haben beschlossen, dass jetzt Schluss sein soll mit den virtuellen Lagerfeuern vor dem Monitor. Wir möchten unser räumliches Sehen, das tatsächliche Fühlen und Riechen endlich miteinander ausleben. Und ganz klar etwas gegen die Flachheit in unserer Welt tun. Gemeinsam haben wir beschlossen, dass uns diese Eindimensionalität (schon lange!) nicht mehr ausreicht. Wir wollen mehr. Wir möchten und wir werden uns treffen. Für mehr und direkte Resonanz im Leben. Und in unserer besonderen Freundschaft. Und – wir mögen es ganz altmodisch und umständlich. Statt ein Klick auf dem Bildschirm legen wir alle Kilometer lange Wege in die bayerische Provinz zurück. Statt 1–2 Stunden, die jede vor ihrem heimatlichen Bildschirm am virtuellen Lagerfeuer verbringt, wagen wir 72 Stunden Gemeinsamkeit in einer großen Ferienwohnung. Mit 360Grad Begegnungen inklusive aller Ecken, Rundungen und Kanten. Ohne Video-Weichzeichner. Sondern mit Herz, echtem Lachen, nährenden Berührungen, Brüchen und wahrscheinlich auch Reibungsflächen. Live und in Farbe. Nicht flach und flimmernd. Sondern gegenständlich, plastisch, laut, leise, nah, heiß und nährend. Das wird spannend. Bereichernd. Und gut. Ich freue mich darauf!



Kann eine virtuelle Freundschaft Bestand in der realen Welt haben?


Da war und ist diese eine gemeinsame Leidenschaft. Das Schreiben. Und das gegenseitige Vorlesen. Seit gut einem Jahr, immer mit sechs individuellen Sichtweisen auf ein Thema. Öffentlich. Im Netz. Mit den #Schreibfreundinnen. Das erfordert Mut. Sich vor „eigentlich“ fremden Menschen zu öffnen. Es braucht Loyalität, Unterstützung und Vertrauen. Auf allen Seiten. So entsteht ein Gefühl von Nähe. Vertrautheit. Verstehen. Schreiben kann Wunder bewirken. Denn das geschriebene Wort braucht mehr Gedanken, Empfindungen, Überlegungen, Formulierungen, Fakten und die Kunst, die richtigen Worte zu wählen, als das gesprochene Wort.


Unsere virtuelle Freundschaft besteht so seit über zwei Jahren. Wir haben eine enge, emotionale Beziehung zueinander aufgebaut, die auf Vertrauen, gegenseitigem Respekt und Zuneigung basiert. Wir lachen, feiern und weinen miteinander. Uns einen gemeinsame Interessen und vor allem das Schreiben. Wir gewähren einander Unterstützung in guten und in gar nicht so guten Zeiten. All das haben wir bisher virtuell gemeistert. Also beste Voraussetzungen für die Fortführung in der realen Welt. Oder?


Ich sage: JA! Unsere Freundschaft wird auch in der realen Welt Bestand haben. Damit erreichen wir eine neue Bewusstseinsebene. Gut - oder?



Logo der SChreibfreundinnen


Jetzt bist Du neugierig, wie meine #Schreibfreundinnen auf dieses bevorstehende Treffen schauen? Dann komm' lesen bei



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2 Kommentare

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Gast
16. Feb.
Mit 5 von 5 Sternen bewertet.

Hallo, das wird bestimmt super. Ich habe durch Instagram schon einige echte und reale Freundschaften und Begegnungen erhalten, die ich sonst nie gemacht hätte. Blöd ausgedrückt. Bin noch müde. Wünsche euch jedenfalls ganz viel Spaß zusammen. Herzlichen Gruß Ursula, IMMERSCHICK.de

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Gast
14. Feb.
Mit 5 von 5 Sternen bewertet.

🤗

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