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  • AutorenbildChristine Ubeda Cruz

Wozu selbst denken: Es gibt doch Google!

Aktualisiert: 23. Juli 2023


Eigentlich wollte ich etwas kochen. Und dazu ein paar Inspirationen im weltweiten Netz sammeln. Doch beim Tippen der Frage fällt mir auf, welche absurden Dinge ich mittlerweile im Internet suche. Und wie denkfaul ich geworden bin.


Da liegen sie vor mir: Lange rot-rosa-grüne Stangen mit gigantisch großen Blättern. Erntefrisch aus dem Garten der Nachbarin. Ich greife zum iPad. Um nach Rezept-Inspirationen im Internet zu suchen. So weit, so gut! Oder auch nicht. Denn ein schwer beladenes Regal voller Koch- und Backbücher ziert meine Küche. Garantiert sind da auch Rezepte für diese sauren Stangen drin. Und eigentlich ziehen mir immer zahllose Rezept-Ideen durch den Kopf. Vor allem, wenn ich unerwartet so reich beschenkt werde. Mit richtig viel Rhabarber. Apropos: Das ist doch ein Gemüse - oder? Also mindestens eine meiner grauen Zellen meint das zu wissen. Die anderen sind nicht (mehr) so ganz sicher. Und schon tippe ich die Frage ein. Besser mal eben nachlesen. Ah ja: da steht es! Und auch noch wann und wie das Zeug wächst, wo es ursprünglich herkommt, und, und, und…


Es spricht vielleicht für mich, dass ich manches ganz genau wissen möchte. Dennoch:


Denken ist wie googeln. Nur krasser!

An meiner Pinnwand hängt eine Karte mit diesem Satz. Die bewahre ich schon lange auf. Weil ich den Spruch so treffend finde. Oder soll ich besser sagen: "fand" = Vergangenheit. Denn mittlerweile ertappe ich mich immer öfter dabei, das Denken zugunsten von googeln zumindest zeitweise einzustellen. Krass - oder?


Ist ja so herrlich einfach. Statt aufzustehen, zum Bücherregal zu gehen, in der Enzyklopädie (google mal, was das ist 😜) oder im Kochbuch nachzuschlagen, tippen wir einfach unsere Frage ein oder sprechen mit Alexa und Siri. Und schon bekommen wir mindestens eine Antwort. Und unzählige andere dazu. Auf Fragen, die wir nie gestellt haben. Wir verlieren uns im Universum der zahllosen Möglichkeiten. Verplempern wertvolle Zeit. Und geben uns überhaupt keine Mühe mehr, eigenständig Gedanken, Wissen und Meinungen zu abstrahieren. Oder gar das Gelesene, das Erlernte auf der eigenen Festplatte, die sich fest verwachsen zwischen unseren beiden Ohren in diesem Kopfrunden Behältnis befindet, abzufragen oder zu speichern. „Das muss ich mir ja nicht wissen. Kann ich ja, wenn ich es wieder brauche, googeln.“


Denken ist die schwerste Arbeit, die es gibt.

Henry Ford


Und Arbeit sourcen wir permanent aus. Den Algorithmen der verschiedenen Suchmaschinen und KI‘s  kann das ja egal sein. Aber mittlerweile wissen wir alle, daß es das nicht ist. Im Gegensatz zu unseren grauen Zellen füllt der Algorithmus seinen Speicher permanent wie die Raupe Nimmersatt auf.


Da mache ich mir, manchmal, ernsthaft Sorgen um mein Gehirn. Wenn ich mich an etwas erinnern möchte, denke ich direkt in Suchanfragen. So wie eben. Ich hatte in Erinnerung, dass Henry Ford mal einen klugen Satz zum Denken gesagt hat. Aber welchen? Ohne weiter darüber nachzudenken, noch bevor ich überhaupt versucht habe, selbst draufzukommen, tippe ich die Frage in der Suchmaschine ein. Prompt kommt die Antwort. Nicht mal bei der Fragestellung muss man noch logisch denken. Oder ordentlich tippen: "henr ford ztat denken" hab' ich eingetippt. Abrakadabra ist die korrekte Antwort da.


Wie haben wir das eigentlich vor Google gemacht? Lass mich mal kurz nachdenken. Also früher, damals, da hat der Mensch (vielleicht) den Kopf aufgestützt, die Stirn kraus gezogen, am Bleistift oder den Fingernägeln gekaut. Innegehalten, nachgedacht, Gedankenfetzen hervorgekramt, Geistesblitze zugelassen, Gedanken schweifen lassen: In welcher Situation, wann, mit wem, wo habe ich von der Sache erfahren, gelesen, darüber gesprochen oder jemandem zugehört? Und dann hat der Mensch Rückschlüsse gezogen. Hat überlegt, erinnert und ist letztendlich „draufgekommen“ - auf die Antwort! Dann, wenn irgend eine Synapse im Gehirn die Verbindung aufgebaut hat. Es kurz funkt. Und der Wissensschatz angezapft wird. Kombiniert, abgewogen wird.


Genau das hab‘ ich jetzt auch mal gemacht. Also: Mein Papa war ein ambitionierter und kenntnisreicher Hobbygärtner. Und konnte Rhabarber nicht leiden. Weil es ein Gemüse ist. Und er überhaupt gar kein Gemüse mochte. Wäre Rhabarber der Sparte Obst zugeordnet, hätte er ihn wahrscheinlich geliebt. Aber nur mit ganz viel Zucker…


Das weiß nur ich. Google kann das gar nicht wissen ...







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