• Christine Ubeda Cruz

Warum Zufallsbegegnungen wertvoll sind




Unterwegs ein Gespräch mit Unbekannten zu beginnen, kann ein kleines Abenteuer sein. Und ganz neue Einsichten bescheren…

Ob ich durch meinen Stadtteil spaziere oder im Zeitungsladen neuen Lesestoff besorge: Immer mal führe ich unterwegs kleine Unterhaltungen mit Unbekannten. Ich tue das nicht absichtlich. Ich denke auch nicht darüber nach. Er ergibt sich einfach. Manchmal.

Heute morgen im Zeitungsladen. Ein neues Gesicht hinter dem Verkaufstresen. Ich äußere meinen Wunsch. Und die Augen des Mitarbeiters irren über die große bunte Wand voller Zeitschriften und Magazine. Er wendet sich um zu mir. Zaghaft und entschuldigend: „Ist mein erster Tag hier. Ich bin etwas nervös. Und sehe den Wald vor lauter Bäumen (noch) nicht. Wissen Sie, wo die Zeitschrift steht?“ Ich deute nach links, zweites Regal von oben. Er ist erleichtert. Dankbar. Und fragt, wahrscheinlich mehr sich selbst als mich, ob er es jemals schaffen wird, zu wissen, welches Magazin wo steht. Ich spreche im Mut zu. Und Geduld. Wir plaudern weiter. Er erzählt mir, wie dankbar er ist, diesen Job jetzt zu haben. Und hofft, dass er bleiben kann. Wir reden über dies und das, bis der nächste Kunde kommt.

Oder kürzlich im Kaufhaus. Ich schlendere absichtslos durch die Hosenabteilung. Will mich von der neuen Herbstmode inspirieren lassen. Da tritt eine Frau aus der Umkleide und posiert vor dem großen Spiegel. Sie trägt eine schicke Jeans. Die sitzt perfekt und sieht richtig gut aus. Ich musterte die Frau. Unsere Blicke treffen sich im Spiegel. Und ich geb ihr lächelnd „ein Daumen hoch“. Sie lächelt dankbar zurück.

Ich bummele weiter durch das Einkaufszentrum. Die Sonne scheint - ein herrlicher Oktober-Nachmittag. Genau richtig, jetzt einen Cappuccino in der Sonne zu genießen. Und wer sitzt da? Die Dame aus dem Kaufhaus. Einladend gibt sie mir zu verstehen, dass ich mich gerne zu ihr setzen könne. Was für eine nette Geste.


ES GIBT IMMER EINE GEMEINSAMKEIT

Da sitzen wir nun. Zwei Unbekannte. Frauen im besten Alter mit gutem Geschmack. Das Verbindende in diesem Moment: Genuss! Cappuccino in der Sonne. In Gesellschaft.

Rasch kommen wir uns Plaudern. Über die Freude, wieder einmal bummeln gehen zu können. Einfach mal Mode schauen. Ohne Absicht, ohne Ziel. Und dann trotzdem die perfekte Hose zu finden. Darüber, dass Frau ja gar nicht so viel mehr braucht. Homeoffice lässt grüßen. Das so schönes Wetter sei. Und überhaupt. Und wie schön es sei, einfach hier sitzen zu können und über Gott und die Welt zu philosophieren.

Unser Gespräch wird ernsthafter, tiefer. Schon beachtlich, über wie viele Themen sich vollkommen Unbekannte austauschen können. Es geht ins Persönliche. Wird ehrlich. Und sehr berührend.

Nach etwa einer Stunde verschwindet die Sonne hinter den Dachgiebeln. Es wird kühl. Und Zeit sich voneinander zu verabschieden. Mit dem schönen Gefühl, gemeinsam eine gute Zeit verbracht zu haben. Vollkommen zufällig.



NEBENBEI ETWAS LERNEN.

Auch wenn sich unsere Wege nur kurz gekreuzt haben, erfuhr und lernte ich etwas von diesen Menschen. Ich hätte es nicht gehört und erlebt, wenn ich nicht mit ihnen gesprochen hätte. Sie liefern mir neue Informationen oder Erkenntnisse. Und das bereichert mich. Egal, wie kurz oder auch oberflächlich die Plaudereien sind: Sie schenken mir Energie. Und machen mir bewusst, dass sich hinter jedem Gesicht auf der Strasse ein eigenes Leben mit unterschiedlichen Erfahrungen verbirgt.


Mal schauen, wen ich heute treffe? Auf einen kleinen unverbindlichen Plausch…



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