• Christine Ubeda Cruz

Verfolgt

Das kennst Du sicher auch. Du gehst so Deines Weges. Und hast so ein komisches Gefühl. Nicht wirklich Angst. Aber ein merkwürdiges Unbehagen. Verzagtheit macht sich breit. Du schaust um Dich. Und siehst nichts. Doch da ist etwas. Irgendwo…


Ich ziehe gerne meine Runden. Zu Fuß. Strammen Schrittes. Lange und ausgiebig durch den Wald und die Felder in meiner Umgebung. Oder entlang des Mains. Und durch eine kleine Dünenlandschaft. Ja, un- und außergewöhnlich, aber wahr: Es gibt in Frankfurt eine der sehr seltenen Binnendünen Europas. Ein Naturschutzgebiet mit zartem Silbergras und wunderschönen, sich im Wind sanft wiegenden Sand-Gras-Nelken. Und manchmal huscht eine kleine Eidechse vorbei. Hab‘ ich selbst schon erlebt.


Und damit Besucher:Innen nicht alles platt trampeln, führt ein erhöhter Bohlenweg durch diese hier unwirklich wirkende Landschaft. Daneben halten sich auf dem mageren Boden Kiefern, die mit ihrem bizarren Wuchs an die Vegetation ferner, unwirtlicher Meeresküsten erinnern.


Einer meiner liebsten Plätze hier in der Umgebung. Erfüllt einen Teil meiner Sehnsucht nach Meer…



Ich gehe so meinen Weg, suche nach den ersten Pilzen. Nichts, es war einfach viel zu trocken. Nachdenklich ziehe ich weiter. Einerseits genoss ich diesen tollen, sonnigen Sommer in vollen Zügen. Andererseits sehe ich noch immer tagtäglich, das so hohe Temperaturen mit dauerhafter Trockenheit ihre für unsere Breitengrade unguten Spuren hinterlassen.


Auf einmal habe ich das Gefühl, dass ich in der menschenleeren Umgebung beobachtet werde. Kann aber niemanden erblicken. Also ziehe ich weiter. Doch das merkwürdige Gefühl bleibt. Diese ungewisse Gewissheit, dass mir jemand folgt. Aber wo kommt das Wesen auf einmal her? Auf dem Bohlenweg müsste ich die Schritte hören und spüren. Jetzt bin ich auf dem weichen, sandigen Untergrund der alten Streuobstwiesen. Gelbe und rote Äpfel strahlen mit der frühen Morgensonne um die Wette. Das komische Gefühl bleibt. Ich sehe nichts, außer die Natur. Und trotzdem…


Nachdenklich schlendere ich weiter, vorbei am, in der Sonne glitzernden, Angelsee. Ein Reiher erhebt sich in die Lüfte. Die Beute zappelt noch in seinem Schnabel. Ich bleib stehen und bewundere den etwas ungelenken Flug. Auf einmal schubst mich etwas an. Von hinten. Ganz sanft. Und ich? Erschrecke „ zu Tode“. Drehe mich um. Adrenalin im ganzen Körper. Und schaue in große, sanfte, braune Augen. Mit einen hellbraunen, etwas strubbeligen Schopf. Weiche warme Lippen liebkosen meine Hände. Mein Körper wandelt das Adrenalin umgehend in Glückshormone. Und bedingungslose Liebe.


Erstaunt und beglückt streichele ich das süße Wesen. Weiches, flauschiges Fell. Wärme und Zuneigung, und zwar sofort. Wohlig genießt es die Streicheleinheiten.


Und ich? Beginne mit dem Felltier zu sprechen. Wie mit einem Menschen. Blöd - oder? Stelle so dusselige Fragen: „Ja, wer bist Du denn?“ „Wo kommst Du denn her?“ „Was willst Du von mir?“. Fragen über Fragen. Aber - natürlich keine Antwort. Dafür aber einen herzerweichenden Blick. So von unten nach oben. Aus sanften braunen Augen.


Was tun? Keine Ahnung. Ich entscheide mich, langsam weiterzugehen. Das Wesen wird schon wissen, wo es hin gehört. Tja, was soll ich sagen. Offenbar zu mir! Es trottet einfach gemächlich neben mir her. Weiter und weiter. Auch meine dusseligen Fragen, meine Anweisungen (solche, die Hundebesitzer gerne von sich geben) lassen es vollkommen unbeeindruckt. Es läuft einfach weiter. Neben mir. Und sucht mit der Schnauze meine Hände. Tastend, saugend, sanft.


Irgendwie fühlte sich das merkwürdig beruhigend. Ja - sehr gut sogar! Ein warmes Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit. Durch einen äußerst angenehmen aber schweigsamen Begleiter.


Unser Weg führt nun an einem Bauernhof vorbei. Und mein vierbeiniger Freund schüttelt seine zotteligen Haare. Eine Frau kommt uns end entgegen „Teufelchen - wo kommst Du denn her? Die Anwort: Ein freudiges Wiehern. Lachend schimpft die Frau mit ihm. Aber nur ein bisschen. Und ist glücklich, dass er wieder da ist.


Aha - Teufelchen heißt mein treuer Begleiter. Ein Zwerg-Pony-Fohlen. Also wirklich klein. Und so süß.


Es heißt ja - das Glück der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde! Nun ja, für mich eher in der zauberhaften Begleitung eine Zwerg-Ponys. Gerne auch namens Teufelchen 😊


P.S.: Teufelchen geht wohl gerne spazieren. Ich darf ihn jetzt, immer wenn ich mag, abholen und ihn spazieren führen. Schön. Ich freue mich schon auf kommende Woche…



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