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  • AutorenbildChristine Ubeda Cruz

Quatschen Edelfische jetzt auch noch?

Aktualisiert: 23. Juli 2023


Zwei skizzierte Fische im Wasser
Kannst Du dem Dialog der Edelfische folgen?

Essen gehen kann richtig Spass machen. Man nimmt in schönem Ambiente Platz. Wird bedient. Und bekocht. Doch davor steht die Auswahl der Speisen. Und dafür muss man eine gehörige Portion Humor mitbringen. Gilt es doch, die wild um sich greifende kreative Speisekarten-Lyrik zu verstehen.

Du sitzt mit Deinem Lieblingsmenschen in einem netten Lokal. Der neueste gastronomische Stern an Deinem Heimathimmel. Die Macher des Restaurants bieten so einiges. Ein tollen Ambiente. Herzlich lockere und freundliche Mitarbeitende. Und eine spannende Speisenkarte.

Und da geht es dann so richtig ab. Das Szene-Restaurant hält die Speisenkarte so reduziert wie die Ausstattung des Lokals. Blanke Holztische. Salz- und Pfeffermühle. Fertig. Ach ja - ‚nen QR-Code. Hinter dem verbirgt sich die Speisenkarte. Und Du denkst: „Mist, schon wieder verschwinden wir beide hinter dem Bildschirm unseres Smartphones!“ Aber - Du willst ja etwas zum Essen auswählen. Die lockere, freundliche Mitarbeiterschar ist recht überschaubar. Gut, die haben keine Zeit, Dir eine Empfehlung auszusprechen. Also selbst lesen. Und raten. Was sich hinter >Paprika I Jakobsmuschel I Miso< verbergen könnte? Oder verführt dich >Kartoffel I Creme I Gebraten I Aioli< ? Und was hältst Du von >Ente I Knödel I Pflaume<? Ihr seit mutig und bestellt. Und werdet mit phänomenalem Essen belohnt. Klar und ohne Schnickschnack auf rustikalem Geschirr angerichtet. Sehr lecker. Und die (meisten) Zutaten klar zu erkennen. Auf’m Teller und auf der Zunge.

Das andere neue „Place to be-Restaurant“ versucht den Spagat zwischen Moderne und Tradition. Der Gastraum ist opulent eingerichtet. Die Mitarbeitenden distinguiert. Elegant reichen sie uns jeweils eine übergroße Speisenkarte. Mit dem gefühlten Gewicht eines dicken Telefonbuches (ja, so etwas gab es mal. Zeigte alle Telefonnummern der jeweiligen Stadt auf 😜!). Erwartungsvoll klappen wir das schwere Werk auf. Und werden von kreativer Lyrik in den Bann gezogen.


Können Edelfische miteinander reden?

Ein „Dialog von Edelfischen“ strahlt uns an. Und stellt uns vor Rätsel. Wie dürfen wir uns das vorstellen? Wir sind gut drauf. Und fangen an, rumzualbern. Also: Wie quatschen die edlen Fische so miteinander. Vielleicht so: Eine Seezunge und ein Seeteufel treffen sich am Meeresgrund und unterhalten sich. Die eine sagt: „Blubb“, der andere antwortet wohl „Blobb Blobb“. Wir fragen uns: spricht die Seezunge in der deutschen Nordsee vielleicht Plattdütsch und im Mittelmeer, je nach dem, in welchem 12 Seemeilen Revier sie sich aufhält, spanisch, italienisch, französisch, maltesisch, slowenisch, kroatisch oder bosnisch??? Oder sprechen alle Edelfische die gleiche edle Sprache? Und - haben die sich wirklich was zu sagen? Wie auch immer. Auf der schweigenden Speisenkarte steht der „Dialog von Edelfischen“. Das wirft Fragen auf. Die niemand ernsthaft beantworten kann.

Der Begriff Dialog, soviel ist klar, bedeutet Unterredung oder Gespräch. Uns bleibt weiterhin unklar, was die beiden Fischstücke auf unserem Teller damit zu tun haben. Selbst philosophisch fällt uns hierzu keine Herleitung zu ein. So klingt das Gericht aber vielleicht besonders. Gehobener. Edler???

Wir bestellen den Dialog. Und bekommen einen kunstvoll gestalteten Teller. Ein rotes und ein orangefarbenes Mousse ziert den Teller optisch wie Yin und Yang. Darauf thronen saftig grüne Zucchini-Spaghetti, ein Stück zart gebratene Seezunge und ein kleineres Stück ganz leicht angebratener Thunfisch, gehüllt in schwarzen Sesam. Sieht toll aus. Und schmeckt vorzüglich.

Die Karte bietet noch mehr solcher kreativer Wortspiele. Die durchaus einer unfreiwilligen Komik unterliegen.


Beim Lesen des nächsten Ganges bilden sich Fragezeichen auf unserer Stirn. Und wir denken kurz und schulterzuckend an die Auszubildenden in der Küche. Wie sie mit ihren geschärften Handkanten die Spätzle „handgeschabt“ ins siedende Wasser plumpsen lassen. Und rätseln, wie sie den „hausgebeizten“ Saibling herstellen… Wie kann ein Haus einen Fisch beizen? Und hatten die vorher darüber einen Dialog?

Als nächstes sinnieren wir über eine „Symphonie von Valrhona-Schoki“. Als geübte Esser wissen wir, das sich hinter dem Wort Valrhona eine edle Schokoladenmarke verbirgt. Für die wohlklingenden Töne der Symphonie sind wir aber wohl taub. Wir können, trotz intensivem Lauschen, nix von Brahms, Schubert oder Dvořák hören. Vielleicht sind wir gehörlos dafür. Bei unserem wohligen Geschmatze…

Auf jeden Fall haben wir einen ausgesprochen vergnüglichen Abend. Dank der lyrischen Ergüsse auf der Speisenkarte. Aber auch dank dem phantastischen Essen. Das letztendlich auch „nur“ aus >Rote Bete I Karotte I Zucchini I Seezunge I Thunfisch I Sesam< bestanden hat.


Lecker war‘s! Danke.





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