• Christine Ubeda Cruz

Ist das ein guter Lebensentwurf?


Ich gestehe es: Ich bin, mittlerweile, zum Murmeltier geworden! Ich schlafe. Viel und häufig. Und anders als die possierlichen Tierchen verkrieche ich mich hinter Büchern. Oder unter Büchern?



So ‚ne Pandemie verändert vieles. Oder alles. Es ist ruhig. Fast zu ruhig. Selbst Deutschlands größtem Flughafen geht zeitweise die Luft aus. Oder besser gesagt: die Flüge! Was zu spüren ist. Die Anzahl der Flugbewegungen hat sich auf dem Niveau von Anfang 1990 eingependelt. Gut so! Weniger Lärm, weniger Umweltbelastung. Und mehr Ruhe. Zum Beispiel zum Schlafen!


Freunden geht es so. Und die Nachbarin bestätigt es auch: In der Pandemie sind viele von uns zu Schlafschafen geworden. Auch ich. Ein richtiges Murmeltier. Acht Stunden sind Minimum, Mittagsschlaf nicht mitgerechnet. Oft unfreiwillig auch mehr.


Im ersten Lockdown fing das an. Wie alle, war auch ich zu Hause. Und mutierte zum Extrem-Homie. Neu für mich, nicht raus zu müssen. Und auch nicht zu dürfen. Untertags war ich gut beschäftigt. Aber die Abende wurden ganz schön lang.


Netflix leer gucken ist unmöglich. Tut auch nicht gut. Kann in die Depression führen. Aus der ich gerade kam. Alkohol ist heikel. Abstinenz führt aber auch nicht zur Unsterblichkeit. So wichtig in dieser Zeit: Die Gesundheit und das Immunsystem! Lange Spaziergänge - ohne politische Meinungsäußerungen - bei Wind und Wetter können helfen. Und gesundes Essen. Also raus. Und kochen - täglich!


Da Dauerfernsehen eckige Augen macht, fing ich an zu lesen. Das hilft in allen Lebenslagen - so meine Erfahrung. Und bildet, im besten Falle. Endlich hatte ich Zeit und Ruhe dazu. Und nahm mir Großes vor.


Doch ich habe die Rechnung ohne die Dauermüdigkeit gemacht. Diesen immermüden Begleiter der Pandemie. Kaum tauche ich ab in die Welt meiner Buchheld:Innen, nicke ich ein. Und lese innerlich meine eigene Geschichte. Augen zu, Kopf runter - schlummern! Um dann total verspannt und verwirrt wieder aufzuwachen.


Klar kämpfe ich dagegen an. Stoßlüften, Kaffee, Wein. Aufstehen, rumgehen! Nicht sehr effektiv auf knapp sechzig Quadratmeter. Nichts hilft. Und alles was ich tue, führt immer wieder zum selben Mechanismus: Hinsetzen, einkuscheln, lesen, Augen zu, Buch runter, Beginn der Schnarchtätigkeit. Andere Sitzplätze, auch ohne einkuscheln, führen ab dem Punkt „lesen“ zum identischen Ergebnis.

Meine Leseliste wird irgendwie nicht kleiner. Wie auch, wenn ich über jedem Buch einschlafe? Ich hab‘ alles versucht. Große Literatur - na gut, da kann‘s schon mal passieren, dass man weg dämmert. Herzzerreißende Belletristik und Trash - hält mich auch nicht wach. Selbst Thriller, die mich sonst nächtelang vom Schlaf abhielten, haben die Wirkung eines 1000fach verstärkten Schlaf-Globulis. Sachbücher - ach lass gut sein! Ich versuch‘s jetzt mal Kinderbüchern… wobei, da schlief ich als Kind auch gut ein, wenn Papa vorlas…


Vielleicht ist Schlafen ja ein adäquates Mittel gegen die Pandemie? Lesen und schlafen. Lesen bildet und erweitert das Wissensspektrum auf jeden Fall. Und wenn dann endlich mal alles vorbei ist, bin ich klug, topfit und ausgeschlafen.


So ich muss jetzt Schluss machen. Mir fallen die Augen gleich zu. Stell‘ gerade fest, auch schreiben macht mich müde…


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