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  • AutorenbildChristine Ubeda Cruz

Mein Feind, der Baum, lebt. NOCH!

Eine Frau mit einer Kettensäge im  Birkenwald
Das Kettensäge-Massaker

Seit meiner Jugend kämpfe ich gegen Pollen. Los geht es meist mit den Birkenpollen. Meine Waffen dagegen: Tropfen, Sprays, Tabletten und sogar Spritzen. Jedoch – immer wieder gewinnt die Allergie. Deshalb möchte ich es jetzt einmal mit Friedens-verhandlungen versuchen.


Das Erste, was mir im Umfeld der Wohnung, die ich mieten wollte, auffiel, waren die schönen Gärten. Grüne Hecken, große Bäume, Rasen, Blumenbeete und ganz wunderbare alte Rosen. Sehr schön. Ruhig. Und in den immer heißer werdenden Sommern vielleicht auch ein paar Grad kühler als in der Innenstadt. Was ich dabei geflissentlich ignorierte: große, alte und recht viele Birken auf den Grundstücken in der Umgebung. Es war ja Winter. Die Allergiezeit längst vergessen. Spätestens, wenn das Fläschchen mit dem Nasenspray auf dem Nachtisch einstaubt, setzt bei mir eine Art Generalamnesie ein. War da was? Atemnot, Husten, laufende Nasen und verquollene Augen? Ach, nicht so schlimm. Ich hatte ja wieder einen Sommer, dank zahlreicher Helfer*innen aus der Apotheke, ganz gut überlebt. Und, vielleicht wird es im nächsten Jahr ja nicht so schlimm. Soll ja vorkommen, dass Menschen »auf einmal« keine Allergie mehr entwickeln.



Wenn die Natur Dir eine Nies-Party schmeißt


Ich habe seit Jahrzehnten Heuschnupfen. Und alles ausprobiert. Augentropfen, Nasensprays und Tabletten, die so müde machen, dass ich mich wie ein Maulwurf fühlt. Also ziemlich müde. Keine Ahnung, ob ein Maulwurf so fühlt. Ich fühle mich aber so, unterirdisch. Allergietests attestieren immer wieder wechselnde Unverträglichkeiten. Eine Hypersensibilisierung scheidet deshalb aus. Wahrscheinlich, weil es kein „gegen alles Mittel“ gibt. Denn ich war und bin gegen alles ein wenig, aber nicht so richtig allergisch. Laut Test. Meiner Nase, den Augen und der Bronchien scheint das egal zu sein. Die fluten meinen Körper mit Symptomen. Und immer mal wieder kommen neue dazu. Asthmaanfälle und Unverträglichkeiten auf diverse Lebensmittel. Irgendwann beschloss ich, alternative Wege zu gehen. Trank bitteren Tee aus Brennnesselblättern. Die nicht schmecken und beim Pflücken auch noch ordentlich brennen. Wahrscheinlich heißen sie deswegen so. Auf Rat einer Heilpraktikerin aß ich kiloweise Äpfel. Mit dem Ergebnis, dass mir schlecht wurde. Die Allergie aber blieb.


Ich hab mittlerweile ein kleines Vermögen für Globuli, Propolis und Bachblüten ausgegeben. Dann traute ich mich, auf traditionelle chinesische Medizin zu setzen. Das war spannend, denn mein Rücken sah zeitweise wie eine gepunktete Kraterlandschaft aus. Verursacht durch, mit einem Bunsenbrenner erhitzte Gläschen, die die Haut erst ansaugen und später unter lautem Ploppen wieder loslassen. Das waren auch die einzigen Geräusche während der Behandlung. Denn der Therapeut sprach, wenn er denn etwas sagte, ausschließlich chinesisch. Mein Rücken sah, nach der Behandlung, ein paar Tage sehr dekorativ aus. Der Allergie war auch das total egal.


Die meisten, ach was, eigentlich alle dieser Versuche endeten in einer Enttäuschung. Irgendwann murmelte mein Hausarzt: „Wenn das alles nichts hilft, dann müssen wir zur schärfsten Waffe greifen. Ich könnte Ihnen eine Kortison-Depot-Spritze geben.“ Ergeben willigte ich ein. Mittlerweile war mir „fast“ alles recht. Hauptsache weg aus diesem Allergie-Zombie-Leben. Und dann geschah das Wunder: Am nächsten Tag ging es mir besser! Ach was, nicht nur besser! Nein, alle, wirklich alle Symptome waren weg! Glücklich und beschwingt rannte ich durch den Garten und umarmte einen meiner Endgegner: Nachbars große Birke.



Medikamente haben Nebenwirkungen. Keine einzunehmen aber auch.


Und ja, diese Spritzen haben Nebenwirkungen. Gute wie weniger gute. Den Wirkstoff aber zu verschmähen, hat auch Nebenwirkungen. Ganz massive. Nämlich nicht mehr Frau über seinen Körper zu sein. Sich dauerhaft unendlich kraft- und mutlos zu fühlen. Eine Alternative: Die schönste Zeit des Jahres in klimatisierten Räumen zu verbringen. Aber nicht wirklich eine Lösung. Also ich stehe dazu: Wenn gar nichts mehr geht, tigere ich wie ein Junkie zum Arzt und lasse mir eine Spritze geben.


Manchmal, nachts, kommt er, dieser Traum. Darin laufe ich mit einer Kettensäge durch die Nachbarschaft und rode alle Birken. Um dann, schweißgebadet wach zu werden und zu realisieren, dass es nicht nur die Birken sind, die mir immer mal wieder Frühjahr, Sommer und/ oder Herbst vermiesen. Aber ich weiß ja jetzt, was mir hilft: Eine Spritze!


Mein Freund – denn eigentlich sind alle Bäume meine Freunde – der Baum, darf weiter leben. Vielleicht nutzen meine Friedensverhandlungen in diesem Jahr. Ich spreche mit der großen Birke in Nachbars Garten. Täglich. Erzähle ihr, wie ich unter ihren Blütenstäuben leide. Vielleicht hat sie ja in diesem Jahr ein Einsehen mit mir?!

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