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  • Christine Ubeda Cruz

Insomnia


Skizzierte Person schlaflos im Bett
Schlaflos in Frankfurt

Insomnia ist heute schon fast ein Oldie. In der Musikwelt. Und bereitete mir zahlreiche schlaflose Nächte. Einfach deshalb, weil ich sie durch tanzte. Und heute? Eine Nacht durchgetanzt habe ich schon viel zu lange nicht mehr. Leider! Aber Insomnia erlebe ich immer mal wieder.

Drei verzitterte Streifen Licht zieren die Wand gegenüber des Fensters. Gezaubert von der Laterne auf der anderen Straßenseite. Wie Lichtschlangen kriechen sie durch die oberen Sprossen des Rolladens. Stechen mir in müde Augen. Die ich nicht schließen kann. Tief liegen die Augäpfel an dem dafür vorgesehenen Platz. Mein Verstand und jede Faser meines müden Körpers schreien: „Sei unbesorgt. Schlaf gut!“ Tröstende Gedanken, wenn sie denn funktionieren würden. Mir fallen die Augen zu. Aber nie so ganz. Mit sanftem inneren Druck versuche ich mich vor dem Licht und der Welt da draußen zu schützen. Und mich selbst zur Ruhe zu bringen.

Widerstrebende Gefühle


Mein Inneres hat offenbar anderes vor. Will das nicht zulassen. Der Magen knurrt. Hunger? Nein, eher das krasse Gegenteil davon. Die Gedärme zwicken und ächzen. Die brauchen keinen Schlaf, die wollen ihre Arbeit verrichten. Und meine Lebensmaschine? Dieses so essenziell wichtige Organ in der linken Körperseite? Arbeitet zuverlässig. Und heute Nacht ziemlich laut. Zieht sich zusammen, lässt los, öffnet und schließt seine Klappen. Warum nur so stark? Und vor allem so laut? Deutlich zu hören im linken Ohr. Und ich bin so müde. Verstand und Körper sehnen sich nach Pause. Wollen Kraft tanken. Gerne abschalten. Und können nicht. Leicht genervt drehe ich mich auf die linke Seite. Presse das Ohr tief ins Kissen. Hoffe so auf Ruhe. Doch genau das Gegenteil tritt ein. Nun sind die Umweltgeräusche ausgeblendet. Dafür aber die Innengeräusche umso lauter.


„Insomnia
I can't get no sleep
I can't get no sleep
I used to worry, thought I was going mad in a hurry
Gettin' stressed, makin' excess mess in darkness
I need to sleep, I can't get no sleep…“

Aus Insomnia von Faithless 1995

Maxi Jazz von Faithless
Faithless aka Maxi Jazz schuf einige der prägendsten Dance-Titel der Musikgeschichte Quelle: dpa/Peter Klaunzer







Na gut, denke ich. Hast ja mittlerweile so einiges über Dich und Deinen Körper erlernt und erfahren. Jetzt versuch‘ ich es mal mit Meditieren. Ich konzentriere mich auf meinen Atem. Wie er in den Bauch fließt. Dabei ganz gemächlich und wie von selbst über Mund und Nase wieder ausfließt. Auch so eine Selbstverständlichkeit unseres menschlichen Daseins. Das tut gut. Ruhig atmen. Dem Atem lauschen. Wo spüre ich ihn? An der Nase? Im Bauch? So langsam stellt sich Ruhe ein. Meine Augenlider werden schwerer. Der Körper auch. Taucht ein in die Matratze. Umhüllt von federleichter Wärme und wohlig beschützt.

Einige Zeit genieße ich das Gefühl des Gleichmäßigen. Die sich ausbreitende Ruhe. Gleite in die Welt der Träume. Schlafe. Entspanne. Regeneriere. Doch plötzlich bin ich wieder hellwach! Aufregung macht sich im Körper breit. Die Spannung steigt. Alle Sinne stehen auf Empfang. Ich bin zum Sprung bereit.

Dabei vollkommen nebensächlich: Ich liege, federleicht bedeckt, geschützt durch Mauern und einem Dach, in meinem Bett. Weit und breit ist kein Säbelzahntiger zu sehen.


Und draußen ist nur ein Auto vorbeigefahren!




P.S.: Maxi Jazz ist Anfang Januar 2023 leider verstorben. R.i.P.

Seine Musik wird weiterleben.


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