• Christine Ubeda Cruz

Ich mach das jetzt mit dem Waschlappen - oder - Warum dieser Sommer gerne so weiter gehen darf


Altes Waschbecken
Das passende Waschbecken zum Waschlappen

Waschlappen sind, unverhofft, gerade ganz hipp! Wer hätte das gedacht, dass es dieses Stück Frottee jemals in die hohe Politik und in alle Medien schaffen würde? Ganz ehrlich: NIEMAND. Eine einzige Nennung dieses Relikts aus früheren Zeiten, im richtigen Moment an der richtigen Stelle bei genau den richtigen Leuten reicht aus, um aus der hintersten Schubladenecke, da wo auch Omas Lavendelsäckchen und Opas Stofftaschentücher liegen, ins harte, schonungslose Licht der Öffentlichkeit gezerrt zu werden.


Der 1. September 2022. Meteorologische Herbstanfang. Auch in diesem chaotischen Jahr. Und Start der Energie-Einspar-Verordnung. Noch ist es herrlich sonnig, hell und warm. Aber - Väterchen Frost streckt bereits seine etwas kühleren Fingerchen aus. Zumindest nachts. Und halb Deutschland zittert sich schon mal warm. Vor Angst. Und um ausreichend geübt zu haben, wenn es dann wirklich kalt wird.



Winter sind kalt.


Es wird kalt. Wenn in den menschenleeren Foyers der großen Wolkenkratzer meiner Heimatstadt die Heizung gar nichts mehr von sich geben darf. Das sind auch jetzt schon dermaßen heimelige Orte, dass die allermeisten Mitarbeitenden in schnellstem Schritt zu den Fahrstühlen eilen, um in ihre wohl temperierten Büros zu gelangen. Wobei halt: hier dürfen es ja auch nur noch plus 19Grad Celsius sein. Da lohnt es sich doch gleich doppelt, die guten alten Kostüme und Anzüge wieder aus dem Schrank zu holen und das Sakko anzubehalten. Vielleicht wärmend ergänzt um einen Pullunder und/oder Hoody? Dumm nur für Mitarbeitenden am Empfang. Ich wünsche ihnen, dass es hoffentlich entsprechende Wärmezonen für sie geben wird.


Die Menschen drängen sich zum Lichte, nicht um besser zu sehen, sondern um besser zu glänzen

Friedrich Wilhelm Nietzsche, deutscher Philosoph und klassischer Philologe, 1844–1900


Ja, und dann wird‘s auch noch dunkel. Die vor 10 Uhr morgens und nach Ladenschluss meist eh nahezu menschenleeren, grau betonierten Einkaufszonen in den Innenstädten müssen um 22 Uhr die Leuchtreklame löschen. Wie auch historische Bauten ihre Außenbeleuchtung, die sie geschmackvoll in Szene setzt. Ich seh‘ schon Heerscharen von Frankfurter:Innen und Tourist:Innen um 22.05 Uhr mit ihren Handys die Paulskirche, immerhin "Wiege der Deutschen Demokratie", stimmungsvoll illuminieren. Oder durch die neue Altstadt am Dom mit ihren Fackeln, äh sorry, Mobilfunkgeräten flanieren. Doch halt! Warum eigentlich? Die neue Altstadt ist ja dem Stil des Mittelalters nachempfunden. Und da gab es, soweit ich das weiß, noch keine Straßenbeleuchtung. Also, wenn man die "Neue Altstadt" typisch haben will: Licht aus. Und allenfalls eine kleine schreckhafte Ölfunzel an. Und - eine weitere ungeklärte Frage. Wir sollen doch Strom sparen. Wie laden wir denn unsere Handys auf?



Waschlappen sind die Lösung


Und dann ist da noch die Sache mit dem Waschlappen. Diesem so gut wie vergessenen Frotteehandschuh aus längst vergangenen Zeiten. Schwups, lasst uns eine kleine Zeitreise zurück in die späteren 1960iger Jahre machen. Da hat man sich morgens und abends mit dem Waschlappen gewaschen. Stöpsel ins Waschbecken, warmes Wasser rein, Seife her und schon ging es los. Hat Jahrzehnte funktioniert. Haben die Menschen damals mehr „gemüffelt“? Oma und Opa waren schon weiter, als sie und wir dachten: Nämlich total nachhaltig! Keine Wasserverschwendung, kaum Strom-, Gas-, Holz-, Kohle- oder Ölverbrauch (je nachdem, wie das Wasser erwärmt wurde) und keinen Plastikmüll (Seife war damals pur oder in Papier verpackt). Und die Wasch-Prozedur erfüllte ihren Zweck: Der Mensch war anschließend frisch und sauber! Dermatologen sagen auch heute noch: Das ist viel gesünder für die Haut! (als tägliches zu heißes Duschen mit stark reinigenden Mitteln). Also hat der Waschlappen auch noch ein Gutes: Er bewahrt den Säureschutzmantel der Haut. Vorausgesetzt man wechselt in täglich. Damit Bakterien und Viren keine Chance haben.


Jetzt ist der 1. September. Und ich sitze bei +26Grad Celcius im Freien auf der Terrasse. Der Akku meines Laptops ist fast leer. Vielleicht könnte er schon mal etwas von der angenehmen Wärme speichern? So für die schlechteren Zeiten…


Meine weitere Vorbeugungs- und Sparmaßnahme: Der Waschlappen. Ich mach das jetzt. Und zwar ganz, ganz früh am Morgen. Und koch mir parallel noch ‚ne große Kanne Tee und einen dampfenden Kaffee. Das wird jetzt geübt. Ritualisiert. Bevor es wirklich kalt wird. Und der täglich Breakdown kommt. Dann nämlich, wenn das Stromnetz zusammenbricht, weil alle ihren Heizlüfter anstellen! Ums Bad anzuwärmen, zum Duschen…



P.S.: Ja, ich bin dafür, dass wir Energie sparen. Und zwar an allen Ecken und Kanten. Das war aber auch schon vor der klappernden Angst, die momentan herrscht, meine Haltung. Und ja, ich bin der Meinung, das menschenleere Innenstädte, leere Bürotürme und unbeachtete Denkmäler nicht im vollen Licht erstrahlen müssen. Das Wärmevorhänge an den Eingängen zu Geschäften eine ökologische Vollkatastrophe sind. Und viel zu viel Energie für unzählige andere unnütze Dinge verplempert wurde. Es wird Zeit, über Selbstverständlichkeiten nachzudenken. Auch und besonders im Kleinen. Denn wie sagte Opa schon: "Auch Kleinvieh macht Mist." Punkt!


Ach so und übrigens: Von mir aus kann der Sommer gerne einfach bleiben. Tagsüber schöne 24-26Grad und Nachts so 18Grad. Dann haben wir auch weniger Probleme mit Gas und Strom und ....

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