• Christine Ubeda Cruz

Haarige Sache! Grau oder nicht - das ist hier die Frage?


Mittwoch, 16. Juni 2021


Endlich! Heute ist es mal wieder so weit. Und es ist dringend nötig. Dem Spiegel im Bad zeige ich seit Tagen nur noch die nackte Schulter. Gönne ihm keine Aufmerksamkeit. Wimpern tuschen ohne zu sehen was man tut, geht ins und manchmal auch rund ums Auge. 😜 Hab‘ jetzt Panda-Augen. Was doof klingt und blöd aussieht. Lenkt aber gut vom eigentlichen Desaster ab: Meinem weiß-grauen Haaransatz. Hab’ wieder den Anschluss verpasst. Oder den Ansatz? Anyhow- heute ist es endlich so weit. Ich habe einen Termin beim Friseur.

Look der Woche


Mittwoch letzte Woche: Oh man! Meine Haare wachsen sooo schnell. Einerseits ist das gut. Zeigt dies doch: Alles ok, ich bin gesund! Nur Mist, dass sich dabei ein immer breiter werdender Grau-Weißer Streifen zeigt. Graue Haare finde ich doof. Bei mir zumindest. Ich will sie nicht. Vielleicht hilft mein kleiner Selbstversuch. Ich schaue einfach nicht mehr hin. Wenn ich es nicht sehe, sieht es auch niemand anderes - oder? Bei meiner kleinen 3 jährigen Freundin funktioniert das ja auch.


Donnerstag: Noch mehr grau? Wachsen Haare über Nacht? Wohl kaum. Ich tadele mich selbst: Mensch Christine, bist Du wieder Mangelorientiert! Und meide den Spiegel…

Ich sollte wohl mal etwas Farbe anrühren und nachfärben. Hab‘ aber gerade Besseres zu tun. Verführungen locken überall. Eis essen gehen mit der Freundin, die Sonne genießen und an diesem Text arbeiten.


Freitag: Wie gut, dass der Spiegel dick beschlagen ist. Trotz Dunst und Nebel kann ich aber erahnen: Es wird Zeit, etwas gegen diesen Ansatz zu tun! Komisch, dass ich hier was GEGEN DEN ANSATZ tun muss und möchte. Meist finde ich Ansätze ja positiv und bestärke meine Mitmenschen darin, ihren Ansatz, für eine neue Idee zum Beispiel, weiter zu verfolgen. Aber - ich schweife ab!


Also was tun? Mütze auf’n Kopf! Eigentlich eine ganz gute Idee. Sind doch Kopfbedeckungen unterschiedlichster Art gerade en vogue. Durchaus einen Versuch wert.


Doch dann kommt mir der Gedanken: „Nach gut 3 Monaten könntest Du Dir auch mal wieder einen Besuch beim Friseur gönnen?“

Ich habe zwischendrin zwar selbst Hand angelegt, ist aber nicht das Gleiche wie vom Profi. Den ruf‘ ich nachher mal an. Schwups ist der Freitag rum. Und Areso, meine Wunsch-Friseurin im wohlverdienten Feierabend.


Samstag: Frisch gewaschenes Haar. Wenn sie nass und ganz eng am Kopf anliegen, kann ich gar kein Grau sehen. Kann das nicht so bleiben? Nee, will ja nicht den ganzen Tag mit nassem Haar rumrennen. Und der Brillantine-Gel-Typ bin ich auch nicht. Und außerdem habe ich mir kürzlich einen super-super-tollen Fön mit x-Styling-Aufsätzen gekauft. Der wird nun nach allen Regeln der Kunst eingesetzt. Toll ondulierte Haare, der graue Ansatz bleibt. Leider. Doch wieder selbst färben? Nicht wirklich meine Kernkompetenz. Irgendwie bekommt das Badezimmer immer mehr Farbe ab als mein grauer Ansatz.


Könnte ja jetzt mal gleich beim Friseur anrufen. Dann kommt der Samstag dazwischen, mit all den Dingen, die getan werden wollen. Irgendwie krieg ich doch noch die Kurve und rufe an. Fast ängstlich und zaghaft. Wer weiß schon, wann ich nun einen Termin bekomme? Wahrscheinlich in 3 Wochen. Bis dahin ist mein halber Kopf grau.


Ring, ring, ring - und schon meldet sich die zauberhafte Areso. „Ja, Christine, Sie möchten einen Termin - gerne! Passt Mittwoch? Sie können um 10.00 oder um 11.00 Uhr kommen.“ Ah, bin ich erleichtert. Mittwoch, 11.00 Uhr passt perfekt. Bis dahin schaffe ich es, alle Spiegel zu verhüllen und Base-Cap oder Mütze zu tragen. Zusätzlich experimentiere ich mit dunklem Trockenhaar-Shampoo herum. Kaschiert etwas. Das Ergebnis ist so lala. Doch so komme ich einigermaßen durch die nächsten drei Tage.

Generalstabs-Mäßige Terminplanung

Aktuell muss ich bei meiner Lieblingsfriseurin einen negativen Corona-Test vorweisen. Also steht für Dienstag Nachmittag noch eine Verabredung, quasi ein Vorbereitungstermin, in meinem Kalender. Ab zum Deutschen Roten Kreuz zum Testen.


Puh, alles gut gegangen - negativ! Hätte auch nie jemand gedacht, dass wir uns immer wieder über ein NEGATIVES Ergebnis freuen würden.


Und jetzt sitze ich bei Areso. Endlich. Freudig begrüßt, herzlich willkommen und rundum gut versorgt. Liebevoll drapiert sie ein kuschliges Handtuch um Hals und Schultern. Einer Feder gleich hüllt sie mich in einen frisch duftender Umhang. Ihre sanften Hände wuseln fachkundig durch mein Haar. Prüfen Volumen, Länge, Stand und Farbe. Attestieren etwas Spliss. Interessiert fragt Areso nach der bisherigen Farbe. Und wie ich zuhause damit zurecht komme. Bestens informiert schwebt sie davon, um meine individuelle Farbe anzurühren.


Den Kampf gegen den grauen Ansatz wird sie gewinnen. Da bin ich ganz sicher! Areso trägt mit einem großen Pinsel eine warme, nach Kräutern riechende, Paste auf den grauen Ansatz. Nun muss die Pampe einwirken. Nach etwa 45 Minuten wäscht sie alles wieder raus. Oh Gott, was ist das denn jetzt? Jetzt sind die grauen Ansätze Kupferrot!!! Ich will doch kein Rot sondern ein sattes Schokobraun! Aber die Fachfrau weiß, wie immer, Rat.


„Dieses war der erste Streich, doch der Zweite folgt zugleich“

Wilhelm Busch


Die grauen Ansätze benötigen zuerst eine Pigmentierung. Danach kommt die eigentliche Farbe drauf. Erneut wird eine warme Kräuterpaste auf meinen Haaren verteilt. Diese riecht leicht nach Nüssen, Rote Bete und Zitrus. Irritierend aber sehr wohltuend.


Selbstverständlich muss auch diese Farbe einwirken. Areso versorgt mich fürsorglich mit einem leckeren Cappuccino.

Und dann kommt der große Moment, wo mein Kopf Farbe bekennt!


Sanft schamponiert sie meine Haare und wäscht sorgfältig die Kräuterfarbe aus. Mein erster vorsichtiger Blick in den Spiegel lässt mich schnell staunen: Alles Schokobraun, nix Rotes ist zu sehen! Toll…


Areso zückt ihre Schere, schneidet hier und kürzt dort. Mit Fön und Bürste versucht sie aus meinen Flusen eine Frisur zu zaubern. Und - was soll ich sagen: JA - es ist ihr, wieder, gelungen! Ein schönes warmes Braun, meine Haare wirken gut gepflegt, fühlen sich toll an und sehen klasse aus. Hoch beglückt und bestens verwöhnt zücke ich meine EC Karte und zahle. Gerne! Mit einem satten Trinkgeld.

Grau oder nicht Grau ist bei mir keine Frage


Ich bewundere die Frauen, die diese merkwürdige Zeit nutzen, um die künstliche Farbe rauswachsen lassen. Die Friseure waren lange zu. Und ich habe volles Verständnis, das nicht Jede willig oder in der Lage ist, sich die Haare selbst zu färben. Oder mutig ist, und einen Selbstversuch wagt. Und das Ergebnis mag.


Ich hab’s auch versucht. Die Farbe rauswachsen zu lassen. Aber der breite Weiß-Graustreifen hat mir vor Augen geführt: Nee, das ist nichts für mich. Siehe oben. Und so färbe ich weiter, nun mit Natur-Pflanzenfarben.

Schönheit beginnt in dem Moment, in dem Du beschließt du selbst zu sein.

Coco Chanel

Genau so ist es. Ich bin mit Dunkelbraunen Haaren und fast schwarz wirkenden Knopfaugen vor mehr als 55 Jahren auf diese Welt gekommen. Sowohl die Augen als auch die Haare sind heute etwas heller. Aber ich habe beschlossen, weiter „ich selbst“ zu sein. Oder so ähnlich, wie ich immer war. Nun halt mit gefärbten braunen Haaren. 😜 Weil ich es mir wert bin!


Ich mit grauen Haaren - das kann ich mir (noch?!) nicht vorstellen. Aber: ich sage niemals nie!


Es gibt jede Menge wunderschöne Frauen mit grauen Haaren. Sowohl im Freundes- und Bekanntenkreis, als auch unter Prominenten. Ich denke da zum Beispiel an Birgit Schrowange, Christine Lagarde oder Annie Lennox. Und alle sehen sie gut aus. Haben ihren Stil gefunden. Und haben tolle Haarschnitte, gute Frisuren, eine dicke Lockenmähne. Und tolle graue Farben. Ja auch Grau gibt es in ganz unterschiedlichen Abtönungen.

Wie gehst Du damit um?

Sind graue Haare ein Thema für Dich? Oder keines?

Grau oder nicht Grau? Ist das für Dich eine Frage?

Oder - findest Du Grau als Haarfarbe so toll, dass Du Deine natürliche Haarfarbe in Grau umgewandelt hast?


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