• Christine Ubeda Cruz

Geghostet von einer Freundin



Freundschaften verändern sich. So wie wir uns auch verändern. Unser Leben. Und unsere Prioritäten. Dass meine Freundin aber einfach den Kontakt zu mir abbricht? Darauf war ich nicht vorbereitet.


Karneval. Eigentlich nicht meine Zeit. Ich hab‘s nicht so mit dem Verkleiden. Mit der Lustigkeit auf Kommando. Und trotzdem ließ ich mich auf eine Faschingsparty mitschleppen. Und verliebte mich. So richtig. Mit Flugzeugen im Bauch. Herrlich kindisch. Leicht und überschwänglich.


Ein paar Tage später. Ich war mit Anja auf einen unserer Spaziergänge verabredet. Wie so häufig. Unser geliebtes Ritual. Schnelle Schritte durch Wald und Flur. Und ganz viel erzählen, quatschen und lachen. Und ich hatte so viel zu erzählen. Meine beste Freundin sollte meine Verliebtheit, mein Glück als Erste erfahren. Ich freute mich so, ihr von dieser Begegnung und den darauf Folgenden zu berichten.

SIE FREUTE SICH AUCH. ABER IRGENDWIE AUCH NICHT

Ich war so aufgeregt. So euphorisch. Wollte meine Freude, mein Glück und all die unsinnig-sinnigen Details mit ihr teilen. Und sie? Sie freute sich für mich. Aber wohl eher so innerlich.


Kennt ihr das? Wenn jemand lacht, dabei aber nur den Mund so merkwürdig verzieht? Und in den Augen kein Glitzern zu sehen ist? So ähnlich war das. Die erwartetet Freundinnen-Freude fiel diesmal komplett aus. Und ich fühlte mich, als hätte ich einen ordentlichen Dämpfer erhalten. Weg war die Euphorie, die Leichtigkeit.


Okay, dachte ich. Muss mich wohl auch in ihre Situation versetzen. Waren wir beide schon länger auf der Suche nach Mr. Wright… Hatten bisher zahlreiche Prinzen geküsst, die sich dann als Frösche erwiesen. Ich muss an mir arbeiten, dachte ich. An meiner Erwartungshaltung. Und mir vielleicht auch klar machen, dass so eine Neuigkeit meine Freundin vielleicht überforderte. Oder ein klein wenig neidisch machte?


Wir sprachen dann über andere Themen. Die gute Stimmung, die sonst so positiven Vibes zwischen uns, waren auf einmal merklich abgekühlt. Mit einem komischen Gefühl, fast wie Einsamkeit, verabschiedete ich mich von ihr.

ICH SAH SIE DANN NOCH DREIMAL


Anja hatte in der Zeit berufliche Probleme. Das wusste ich. Ich versuchte, für sie da zu sein. Ihr zur Seite zu stehen. Ich wollte nicht in die „ich bin verliebt und mich interessiert nix anderes Schiene“ abrutschen. Ich schrieb ihr SMS‘n (war damals noch so). Häufig. Und ich rief sie an. Auch immer wieder. Und sammelte Körbe. Viele. Die Treffen passten ihr nicht, oft ging es ihr nicht gut. Waren wir verabredet, kam kurzfristig eine Absage. Das war früher gar nicht ihre Art. Ein alternativer Terminvorschlag von ihr kam nie.

ICH HATTE EIN SCHLECHTES GEWISSEN


Die neue Liebe tat mir gut. Anja ging es dagegen nicht so gut. Das passte zwischen uns nicht mehr zusammen. Komisch - früher konnten wir uns immer gegenseitig stützen, auffangen und anfeuern. Zusammen lachen und weinen. Und jetzt fanden wir nicht mal mehr in einem Telefonat zusammen. Geschweige denn zu einem Treffen. Und nein - ich bin nicht komplett abgetaucht im Liebestaumel. Wollte immer noch Zeit mit Anja verbringen. Unsere wertvollen Spaziergänge fortsetzen. Und mit ihr quatschen, lachen, weinen, spielen... So wie vorher auch.


Als sie krank war, bastelte ich ein kleines Genesungs-Paket für sie. Nette kleine Lieblings-Dinge. Mit Blumen. Die sie immer sehr mochte. Ja, sie bedankte sich. Fast überschwänglich. Ein kleiner Hoffnungsschimmer für mich.


MEINE LIEBE WUCHS UND GEDIEH


Ich war überglücklich. Was für ein Wunder. Ich hatte mein Glück gefunden. Während mein Leben permanent von Liebe, vielen Freund*innen und Unternehmungen besiedelt wurde, bekam ich von Anja nur weitere Absagen. Dann ergab es sich doch einmal, dass wir aufeinander trafen. Und da war es wieder: das Lächeln ohne Glitzern in den Augen. Und sonst nichts. Ich wartete. Auf die Nähe und Verbundenheit, die uns früher umfing. Wir sprachen kurz miteinander. Über Belangloses. Leeres. Ohne Resonanz. Dann war sie weg.

DAS IST JETZT MEHR ALS 15 JAHRE HER


Es kam - nichts mehr! Keine SMS. Keine Anrufe. Kein Kontakt. Einfach nix. Und ich war traurig. Leer. Und versuchte noch immer Verständnis für sie zu entwickeln. Sicher wünschte sie sich auch eine erfüllte Partnerschaft. Vielleicht konnte sie mein Glück nicht ertragen? Vielleicht!

Alle meine Anstrengungen, wieder den Kontakt zu ihr zu knüpfen, verliefen folgenlos. Was blieb? Dieses Schweigen. Ein schwarzes Loch. Ein Gefühl von großer Einsamkeit. Ich war tief gekränkt. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass sie mit mir Schluss gemacht hat. Ganz ohne Worte. Mit diesem leeren Blick. Sie wollte nichts mehr von mir wissen. Sie wollte keinen Kontakt mehr.


Es ist ok. Ich muss es akzeptieren. Auch wenn es weh tut. Sie fehlt mir. Auch heute noch…



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