• Christine Ubeda Cruz

Die Krux mit den elektronischen Helfern




Der Wecker klingelt. Der Wecker - what‘s that? Mittlerweile übernimmt Dein Smartphone diese Aufgabe. Es weiß genau, wie viele Stun­den Du geschla­fen hast. Und wann Du beson­ders inten­siv geträumt hast. Es hat genau kal­ku­liert, wann Du auf­wa­chen soll­test, um fit und aus­ge­ruht in den Tag zu star­ten. Nur - der Wecker klingelt immer vorher! Bevor Du fit bist und von selbst aufwachst... Du stehst auf, reckst und streckst dich. Auf dem Weg ins Bade­zim­mer suchst Du Dir eine Sporteinheit aus. Aktivierst Deine Playlist. Ab zum Zäh­ne­put­zen. Auch hier trackt irgendein technisches Helferlein Deine Handlung. Schrubbst Du zu fest? Die eine Seite mehr als die andere? Dann gehst Du für eine 15-minü­tige Ein­heit auf die Matte. Oder Du ziehst die Schuhe an und startest eine Joggingrunde. Danach: Den Core gestärkt? Check. Kalo­rien ver­brannt? Check. Was macht den Tag jetzt noch besser? Die per­fekte Mahl­zeit. Ein Blick auf Dein Smart­phone genügt, um zu sehen, welche Nähr­stoffe Du verbraucht hast, welche Du nun brauchst und wie viele davon. An deiner coolen Küchenbar stehend, trägst du schnell ein, wieviel Zeit dich Deine Mor­gen­rou­tine gekos­tet hat. Wow - zwei Minu­ten weni­ger als ges­tern! Zufrie­den lehnst du Dich zurück. Heute wird ein guter Tag! 👍 Das ist kein Sci­ence-Fic­tion Film. Es ist längst Rea­li­tät. Viele von uns grei­fen im Alltag ganz begeistert auf diese kleinen Hel­fer­lein zurück. Die uns versprechen, das Leben leichter zu machen. Uns besser und optimaler zu organisieren. Und das ganz ohne Stress. Wir müssen ja nicht eigeninitiativ daran denken. Unser Smartphone erinnert zuverlässig, dies jetzt zu tun oder auf jenen Wert zu achten. So wird jedes noch so kleine Ritual plötz­lich zu einem To-Do, das abge­ar­bei­tet werden muss. Verursacht ja ein Glücksgefühl, zwei Minuten eingespart oder X Kalorien verbrannt zu haben - oder? Gaukeln uns die elektrischen Tools vor, mehr erledigt, mehr geschafft zu haben?

Man verliert die meiste Zeit damit, dass man Zeit gewinnen will.

John Steinbeck

Dann müsste doch am Ende des Tages mehr Zeit übrig blei­ben!? Oder?! Die wir für die Orga­ni­sa­tion unse­rer Gedan­ken und Ideen nutzen könnten. Für Me-Time? Einfach für‘s Nichtstun? Aber stimmt das? Oder nutzen wir die fal­schen Metho­den? To-Do-Listen abzuhaken, fühlt sich richtig gut an. Egal, ob Du die Reinigung abgeholt oder Deine Work-Out-Einheit geschafft hast. Zufriedenheit macht sich breit, erledigt - Check! Klasse - ein weiteres Mini-Ziel erreicht. Unsere technischen Helfer sorgen für den Über­blick. Sie erinnern uns, an fast Alles zu denken. Wenn wir die Apps und Gadgets denn vorher dazu eingerichtet haben. Soweit, so hilfreich. Aber - bedeutet das automatisch, dass wir pro­duk­ti­ver sind? Das es uns gut geht? Oder sogar besser geht? Das Pro­blem einiger der Helfer: Sie bre­chen den Alltag in viele kleine Schritte her­un­ter. Wo bleibt da der „Flow“? Der wohlige Zustand, in dem Du Dich voll und ganz auf eine Sache kon­zen­trie­rest, ja vertiefst, darin versinkst. Im Flow ver­gisst Du die Zeit. Und auch, genü­gend Wasser zu trin­ken. Du machst keine Pause, weil Du gar nicht aufhören kannst und willst. Und dann ploppt der Tomato Timer auf. Reißt Dich aus Deinen Gedanken raus, vorbei ist es mit dem Flow. Mist... Und dabei hattest Du kürzlich noch irgendwo gele­sen, dass man am besten in Inter­val­len arbei­tet, nie länger als 25 Minu­ten am Stück? Wer kam eigentlich auf die Idee? Oder Deine App zeigt Dir, dass Du genau jetzt Wasser trinken solltest. Oh man oh man - ich war doch gerade mit DEM HIER beschäftigt...

Wo bleibt da meine Eigenverantwortung? Mein eigenes Wissen und Gefühl?


Ist es vielleicht an der Zeit, einen Schritt zurück zu treten? Innezuhalten. Nachzudenken und zu fühlen. Sind die elektronischen Tools Fluch oder Segen?


KEEP IT SIMPLE

Ich finde: Manche Apps können auch ganz schön unnötigen Druck aufbauen. Ist meine gesundheitliche Bilanz heute nun schlechter, weil ich noch keine 10.000 Schritte gegangen bin? Oder X Kalorien verbrannt habe? Oder wird mein Tag schlecht, weil ich heute Nacht mehr rumgelegen als geschlafen habe? Lag wohl am letzten Glas Rotwein... und das weiß die Schlaf-App nicht. 😜 Nicht alles funk­tio­niert für jeden gut. Jeder darf und sollte für sich entscheiden, welches Gadget hilfreich ist. Ja genau: Hilfreich! Und nicht übergriffig. Bei manchen Erinnerungen oder Push-Benachrichtigungen fühle ich mich in meine Kindheit zurück versetzt. Wenn Mutti meinte: „Kind, Du musst JETZT was trinken!“ Ausprobieren, testen und sich selbst hinterfragen: Hilft mir das weiter? Macht es mich glücklich? Oder werde ich zum Sklaven der Technik? Denn eines ist sicher: Eine App soll nicht mein Leben, meinen Erfolg und mein Sein bestimmen. Ich will weg von dem Tool-Wahnsinn. Nur das nutzen, was mir wirklich hilft oder Spaß bereitet. Und an anderen Stellen „Back to the roots“, zu analog und klassisch. Auf mein Gefühl und meine Bedürfnisse hören. Mich spüren - da bemerke ich ganz ohne Erinnerung dass ich jetzt dringend ein großes Glas Wasser trinken sollte. Oder etwas essen. Und ich habe auch eine ungefähre Ahnung, was mir jetzt gut tun würde. Ein paar Erdbeeren. 🍓

Ich weiß auch, dass ich nach einer Runde Jogging Kalorien verbraucht habe. Das spüre ich. Eine exakte Berechnung bringt mich hier nicht wirklich weiter. Aber das gute Gefühl, mich bewegt zu haben, das ist Gold wert! Und das kann mir kein technisches Helferlein vermitteln. Das spüre ich selbst in jeder Faser meines Körpers. Wie hältst Du es mit den vielen praktischen Helferleins? Welche sind für Dich essentiell? Welche komplett unnütz? Und welche empfiehlst Du? Weil sie Dein Leben positiv für Dich gestalten.


Ich freue mich auf Deine Tipps und bin gespannt auf Deine Erfahrungen.

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