• Christine Ubeda Cruz

Warum es Blödsinn ist, bei Visionen zum Arzt zu gehen



Ein modernes Märchen. Die Protagonisten: Eine Vision, ein Zufall, etwas Mut und eine Wohnung.

Kennst Du diesen Ausspruch?


„Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen“

Der stammt von Altkanzler Helmut Schmidt. Hat er vor mehr als 40 Jahren mal im Bundestag gesagt. Diesen Spruch hab‘ ich später noch häufig gehört. Zum Beispiel im Job. Von bequemen Chefs. Wurde fast zu einem Glaubenssatz von mir. Zum Glück aber nur fast… bin ja doch lernfähig.


Wir suchen schon lange nach einer neuen Wohnung. Etwas größer als bisher, bitte mit Balkon oder Terrasse. Und - für „Normalos“ bezahlbar. Die aktive Suche plätschert so dahin. Ehrlich gesagt warten wir schon lange auf ein Wunder. Hoffnungslos.


Vor einiger Zeit fiel mir auf, dass in unserer Straße eine Wohnung frei wurde. Die hatte es mir angetan. Ohne sie zu kennen. Man kann sehen, dass das Haus hinten erweitert ist und mit einer Terrasse abschließt.


So schön, so gut! Könnte passen. Immer wieder studierte ich den lokalen Immobilienmarkt. Kein Hinweis. Meine Vision indes wuchs und gedieh. In Gedanken pflanzte ich schon Blümchen auf „meiner“ Terrasse. Ohne zu wissen, wie ich an diese Wohnung kommen könnte. Verrückt - oder? Vielleicht doch ein Fall für den Arzt?


Zufall, Schicksal, Fügung - nenn‘ es wie Du willst! Ich kam mit Nachbarn, die ich bisher gar nicht kannte, ins Gespräch. Und erfuhr so, wem das Haus gehört. Und da ich meinen Visionen gerne auch mal sanft aber eindrücklich nachhelfe, setzte ich mich sofort an die Tastatur und schrieb dem Hausbesitzer, den ich übrigens auch nicht kannte, eine Art „Bewerbungsbrief“. Puh, hatte ich Herzklopfen. Um ja nicht vor meiner eigenen Courage zu kapitulieren, warf ich das Schreiben sofort bei ihm in den Postkasten.


Und dann hieß es: warten! Warten, warten - so gar nicht meine oder unsere Stärke. Zwischenzeitlich tat sich was in „unserer“ heiß begehrten Wohnung. Handwerker waren zu Gange. Gut. Aber keine Reaktion vom Hausbesitzer. Alle Hoffnung schwand dahin. Traurig, Mensch, das war doch „unsere“ Wohnung!


Wochen zogen ins Land. Und meine imaginären Blümchen welkten schon wieder. Also doch weiter auf konventionellem Weg nach einer Wohnung suchen. So ernüchternd…

Sonntagsüberraschung am Küchentisch


Ein winterlicher Sonnenstrahl kitzelte auf meiner Nase. Und ein unbekannter Anrufer riss mich aus meinem Sonntags-Ritual. Der Hausbesitzer. Welche Überraschung. Herzklopfen. Freude.


Nett war er. Ob wir noch Interesse an der Wohnung hätten. Ich hätte doch so einen charmanten Brief geschrieben. Und ob wir vorbei kommen wollten. Die Wohnung anzuschauen. Jetzt!?


Was für eine Frage! Natürlich. Aufgeregt machten wir uns auf den Weg. Ganze 60 Meter weit. Und standen in „unserer“ Traumwohnung. Großzügig, hell und genau so, wie wir sie uns vorgestellt hatten. Passend. Na ja: fast passend! Der ganz große Wermutstropfen: Ein Retro-Bad! Galant ausgedrückt. Oder ehrlich gesagt: Kack-hässlich und total unpraktisch. Der Vermieter: „Ist halt so“! Enttäuschung machte sich in uns breit. Selbst der akzeptable Mietpreis konnte dieses „Haar in der Suppe“ nicht wettmachen. Wir baten um Bedenkzeit und verabredeten, uns in zwei Tagen zu melden.


Natürlich lies uns diese Wohnung keine Ruhe. Wir diskutierten und recherchierten, rechneten und planten. Und baten den Vermieter nochmals um einen Termin. Und kaum standen wir im Badezimmer, sagte er: „Wenn Sie zum 1. April den Mietvertrag abschließen, lasse ich Ihnen im Laufe des Jahres das Bad komplett sanieren. Und - ach ja - der Mietpreis bleibt unverändert.“


Wir hätten ihn knutschen können. Ungläubig schauten wir uns an. Jubelten innerlich. Strahlend besiegelten wir mit einem „imaginären“ Handschlag (wegen Corona) die Vereinbarung.


Zum 1. April sind wir eingezogen. Und empfinden jeden Tag als großes Glück. Schön ist es geworden - unser neues Nest.


Jetzt sitze ich gerade an meinem Lieblings-Schreibplatz. Auf der Terrasse. Die ersten Blümchen blühen. Gestern habe ich eine Tomatenpflanze - von der Nachbarin selbst gezogen - eingepflanzt. Großes Glück erfüllt mich. Und Dankbarkeit. Viel Dankbarkeit. Auch dafür, daß ich an meine Träume glaube. Daß sich Visionen erfüllen. So ganz ohne Arzt.

Danke an Sandra Blecher vom https://kreativhuhn.de und Inga Ross https://www.inga-ross.com.

Ohne euren schönen, emotionalen und kreativen Kurs "Visionboard - Die Motivations-Collage" Anfang Januar hätte ich meine Visionen nie visualisiert. Danke für diesen Impuls. Wer weiß, ob das dann mit der Wohnung geklappt hätte...

Das Visionboard hängt auch schon wieder. An einem schönen Platz in der neuen Wohnung.




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