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  • AutorenbildChristine Ubeda Cruz

Um im Kopf abzunehmen, muss ich dümmer werden

Aktualisiert: 22. Nov. 2023

Niedlicher Roboter in Denker-Position
Vielleicht hilft ja KI beim Abnehmen im Kopf? Oder macht uns dümmer?

Denke nie, gedacht zu haben, denn das Denken der Gedanken ist gedankenloses Denken. Denn wenn Du denkst, Du denkst, dann denkst Du nur Du denkst, aber richtig denken tust Du nie! Wer diesen Zungenbrecher-Spruch erfunden hat, ist nicht nachgewiesen. Dass er stimmt, hat die Wissenschaft mehrfach belegt.


Während Du diesen Satz liest, denkst Du automatisch über das Gelesene nach. Vielleicht denkst Du nebenher auch darüber nach, was Du nachher essen möchtest. Oder fragst Dich, was Dein Lieblingsmensch im Nebenzimmer gerade macht. Du denkst ständig. Bewusst und auch unbewusst. Nicht denken geht nicht. Oder hast Du das schon mal geschafft? Dann verrate mir bitte den Trick! Unbedingt!


Ach, irgendwie habe ich mich hier verlaufen – oder „verdacht“? Ich komme mit meinem Anfangsgedanken und der provokanten Überschrift, die ich aus einem Kabarett-Auftritt von Tobias Mann „geklaut“ habe, irgendwie nicht weiter. Was mir da hilft? Du nimmst jetzt wahrscheinlich an, dass das Denken mir weiterhilft. Nee, überhaupt nicht. Aber das Schreiben hilft mir. Da kommen irgendwie Gefühle und somit auch Gedanken viel eher zum Vorschein.


Die tiefgreifende Sehnsucht nach NICHTS!


Also: Was will ich eigentlich?

Manchmal habe ich so eine tief gehende Sehnsucht. Eine Sehnsucht nach NICHTS! Ich habe den großen Wunsch, dümmer zu werden. Ja, Du liest richtig: DÜMMER! Nicht dünner. Wobei, das würde auch nicht schaden. Ist aber ‚ne ganz andere Geschichte.


Also ja – ich will dümmer werden. Ich bin noch nicht dumm genug. Denn wenn ich das wäre, dann würde ich ja nicht über die Dummheit nachdenken können. Und mein Kopf wäre dünner. Dann würde ich vielleicht nur „Häh?“ sagen. So ist es bei mir nicht. Zum Glück. Doch manchmal denke ich, es wäre eine Wohltat. Also das dumm sein. Denn dann würde ich – vielleicht – denn wer weiß das schon, nicht so viel nachdenken. Und wenn ich etwas nicht weiß oder verstehe, mir die notwendigen Informationen besorgen. Über die Welt, die Geschichte, die EU, die Bildung der Landesregierung hier in Hessen, den komischen Film von gestern, was ich morgen kochen könnte und ob mir die lila Hose aus dem letzten Jahr noch passt. All das fände in meinem Kopf nicht statt. Ich wüsste nicht, dass ich überhaupt und hoffentlich die richtige Partei, gewählt hätte. Und darüber erst sehr lange recherchiert und nachgedacht habe. Und dann meine Wahl getroffen habe. Wenn ich dümmer wäre, wüsste ich das vielleicht nicht (mehr). Denn, wenn ich dümmer wäre, würde ich mir keine Gedanken über die nun anstehende Koalition machen. Und wüsste nicht, dass nicht-wählen die schlechteste Wahl ist.


Jetzt, wo ich das so schreibe, drängt sich mir die Frage auf: was würde ich stattdessen tun? Löcher in den nachtschwarzen Himmel gucken? Oder noch ’nen komischen Film anschauen? Wobei, je nach Stand der Dummheit, würde ich den Film vielleicht gar nicht als komisch empfinden? Aber was mach’ ich dann mit den grauen Zellen da oben in dem Gefäß auf meinem Hals? Die brauchen doch Futter, Beschäftigung, Vernetzung!


Ich recherchiere weiter, wie ich es schaffe, im Kopf abzunehmen. Und stoße auf einen Artikel, in dem die Psychiaterin Heidi Kastner sagt: „Dummheit sei … nicht gleichzusetzen mit einem tiefen Intelligenzquotienten. Ich meine mit Dummheit ein zumeist selbstgewähltes Verhalten, das aus Entscheidungen resultiert, die nicht auf der Wahrnehmung der Realität beruhen, sondern auf gefühlten Wahrheiten."


Ok, denke ich. Das hilft mir weiter. Ist so, wie beim Abnehmen vom Gewicht. Ich kann es selbst entscheiden und mein Verhalten entsprechend wählen. Ich könnte ja denken, dass mein Körper zum Schmelzen des Vanille-Schoko-Eisbechers extrem viel Energie verbraucht – mindestens so viel wie bei einer einstündigen Joggingrunde – und ich so abnehme. Diese Gedanken könnte ich mir in meinem Köpfchen so zusammenreimen. Aber sie widersprechen jeglicher Realität. Diese kruden Ideen beruhen lediglich auf „meiner gefühlten Wahrheit.“


Heidi Kastner sagt weiter: "Im Ergebnis ist Dummheit, ein Verhalten, das den Betroffenen nichts nützt, sondern den Dummen oft genug schädigt, aber auch großes Schädigungspotenzial für andere in sich birgt."


Ok, denke ich. Da hat sie recht. Dummes Verhalten nutzt mir gar nichts. Ich möchte auch auf keinen Fall andere durch mein Verhalten schädigen. Also, ich revidiere meine Gedanken von oben: ICH WILL AUF KEINEM FALL IM KOPF ABNEHMEN! Und gestehe mir ein:


Ich kann nicht alles wissen


Die Welt ist äußerst komplex. Es ist schlicht unmöglich, alles zu wissen und zu verstehen. Doch diesem, meinem Unwissen begegne ich mit Demut. Und Neugierde. Recherchiere und frage, lese, diskutiere und denke. Und das macht meinen Kopf auf keinen Fall dünner. Nee, nee, die grauen Zellen erhalten mehr und mehr Wissen und Informationen. Und das ist gut so!


Jetzt bin ich sicher: Ich möchte auf gar keinen Fall „dümmer“ werden. Aber gerne etwas dünner. Ich probiere das jetzt mal mit dem Schmelzen des Vanille-Schoko-Eisbechers!





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