• Christine Ubeda Cruz

JETZT AUCH AUS DER NATUR - Überraschungsgäste!


Mittwoch, 7. Juli 2021

Ich wohne in einem alten Haus. In einer kleinen Wohnung im ersten Stock. Holzdecken überall. Ich finde sie häßlich. Also die Holzdecken. Nicht die Wohnung. Die ist knuffig. Und gemütlich. Drei Zimmer und ein klitzekleines Bad in Bahama-Beige! Immerhin mit Fenster. Als ich hier einzog, war die Wohnung eine Notlösung. Und das ist ja meist beständig. Mittlerweile schon seit mehr als 15 Jahren.

Ich fühle mich hier wohl. Beschützt und zuhause.

Offenbar hat sich das rumgesprochen. Das meine Wohnung einladend und gemütlich ist. Und ich gastfreundlich bin. Nicht nur bei lieben Mitmenschen, Familie und Freunden. Nein, auch in der Tierwelt.

UNERWÜNSCHTE UNTERMIETER


Vor einiger Zeit war wohl eine ganze Schar von Motten der Meinung: „Bei der Christine, da geht es uns gut!“ Einige zogen in meinem Kleiderschrank ein. Warum die es lecker fanden, Löcher in meine Wollsachen zu knabbern, wird mir für immer ein Rätsel bleiben.


Die anderen taten sich im Vorratsschrank gütlich. Mehl, Reis, Nüsse und Rosinen fanden sie toll. So lecker, dass sie dicke Larven legten, die sich irgendwann als fliegende Motten anschickten, auch noch im Knäckebrot Larven zu legen und sich dort durchzufressen.

Das konnte ich beim besten Willen nicht akzeptieren!

Hey - die zahlen keine Miete und fressen sich einfach so durch! Das geht gar nicht!

Also ran an biologische Mottenfallen, Lavendel-Säckchen, Orangenöl, luftdicht verschließbare Behältnisse. Sowohl für die Wollsachen als auch in der Küche. Putzen, aufräumen und nochmals putzen. Und bitte nicht missverstehen: auch vorher war es sauber bei mir! Und dann: Prävention betreiben. Jedes Päckchen Mehl, Reis, Nüsse wird sofort nach dem Einkauf in einen luftdichten Behälter umgefüllt. Wenn da bereits Larven drin sein sollten - was bei Bioware durchaus möglich ist - bleiben sie auf jeden Fall in diesem einen Behälter! Und die Infektion anderer Lebensmittel ist nahezu ausgeschlossen. Jeder Wollpullover kommt in eine Vakuumtüte. Spart nebenbei auch enorm Platz im Kleiderschrank.


Mittlerweile sind die Woll- und Mehlmotten wohl alle wieder ausgezogen. Die haben einfach keine Chance mehr, bei mir einen bequemen Unterschlupf zu finden und sich durchzufressen.

Jetzt ist Sommer. Ganz andere possierliche Tierchen glauben, bei mir einziehen zu können. Jetzt kommen die Nachtfalter! Diese dicken Viecher, die ins Licht fliegen. Und nicht mehr verbrennen, da die modernen Leuchtmittel keine Wärme abgeben. Diese Viecher, die ganz arg stauben, wenn ich versuche sie zu fangen.


Und Fruchtfliegen. Man oh man, leckeres, frisches Obst vom Wochenmarkt. Die klitzekleinste Druckstelle erzeugt gleich einen ganzen Schwarm dieser kleinen, fiesen Kerlchen. Und meinen Wein mögen sie auch. Sollte ich einen Mini-Rest - was nahezu ausgeschlossen ist - im Glas zurücklassen - dann feiern die wilde Parties am Spülbecken.

Dann sind da noch ganz andere dieser kleinen Kerlchen der Meinung in Christines Wohnung mal nach dem Rechten schauen zu müssen. Ihr kennt sie sicher auch: die kleinen beflügelten Mistviecher, die immer dann, wenn Du gerade am Einschlafen bist, ganz nah um Dein Ohr rumsummen. Und vollkommen unerwartet an den unmöglichsten Stellen zustechen… Aua!


Vor zwei Wochen ist dann ein ziemlich großes Tier bei mir eingezogen. Das alte konnte das Wasser nicht mehr halten. Das neue ist dicht. Und ist elektrisch. Dafür gibt es aber ziemlich tierische Geräusche von sich. Lt. Bedienungsanleitung, ja - diesmal hab‘ ich sie gelesen - quietscht, pfeift, saugt und schmatzt das neue Gerät wie ein Delphin! Und das als Kühlschrank in meiner Wohnung! Schon spooky, was Geräusch-Designer sich mittlerweile so einfallen lassen 😜. Dieser Besucher darf gerne bleiben.

ÜBERRASCHUNGSGÄSTE


Und gestern Abend hatte ich es mit gänzlich ungewohntem Besuch zu tun. Alle Fenster standen, zwecks Kühlung, weit offen. Spät, es war schon stockdunkel, tapste ich in die Küche, um mein leer getrunkenes Weinglas abzustellen. Und mit einem Schuss Wasser auszuspülen. Ich weiß, ich bin ein Spielverderber! Wollte aber den letzten Rest einfach nicht mit den Fruchtfliegen teilen…

Auf einmal ein hektisches Klatschen und Flattern. Ich sprang erschrocken zur Seite.

Etwas Schwarzes, Großes zog aufgeregt seine Bahnen durch die Küche. Quickte hektisch. Und war deutlich größer und schneller als jeder Nachtfalter oder Fliege! Was war das?

Dann plötzlich: Ruhe! Nun machte ich doch das Licht an. Und fand, unterm Küchentisch, eine kleine Fledermaus! Puh, war die Arme aufgeregt! Hektik und akuter Bluthochdruck - ich konnte das kleine Herz schnell pumpen sehen. Und machte sofort wieder das Licht aus.

Schon im vergangenen Jahr hatte ich einmal Besuch von einem Mini-Vampir. Und wusste, dass die sich manchmal, wenn es junge Tiere sind, durchaus „verfliegen“ können. Da hilft nur, die Fenster zu öffnen und zu hoffen, dass sie in der Dämmerung wieder rausfliegen und den Weg in ihr Zuhause finden. Oder sie vorsichtig mit einem Tuch oder Handschuh aufzunehmen und frei zu lassen.


Gestern Abend hatte ich die Hoffnung, dass „mein“ Mini-Vampir sich beruhigen und wieder seinen Weg nach draußen finden würde. Ich schloss die Küchentür und ging schlafen. 🥱

Ganz vorsichtig schlich ich heute früh in die Küche. Der kleine Batman war weg. Ich stellte die Kaffee-Maschine an und freute mich auf meinen ersten Cappuccino. Mit Zuneigung dachte ich an den kleinen trotteligen Wischt. Und war froh, dass er den Ausgang gefunden hatte. Und dankbar, dass es dieses Wunder der Natur auch hier bei mir hier, am Rande Frankfurts, gibt.

Fröhlich klopfte ich den Siebträger im Mülleimer aus. Und weckte damit gleich drei dieser possierlichen Tierchen auf. Die hatten sich in der Spalte zwischen Wand und Mülleimer zum Schlafen gehängt und klebten jetzt an der Tonne fest. Irgendwie süß, diese zusammengerollten grau-braunen Päckchen. Doch ich dachte, das dieser Spalt nicht der richtige Aufenthalts- und Schlafplatz für die kleinen Flieger sei.

Vorsichtig hob ich sie samt der Tonne ans geöffnete Fenster und gab nacheinander jedem meiner Übernachtungs-Gäste mit einem Kaffeelöffel einen leichten Schubs. Hecktisch breiteten sie ihre Schwingen aus und flogen in den frühen Morgen.


Ich blickte ihnen versonnen, in der Hand meinen Cappuccino, nach. Sinnierte darüber, ob die sich wohl auch genüsslich strecken, sich den „Traumsand“ aus den Augen reiben und dann losfliegen? Und ob sie nun, da die Sonne ja schon kräftig scheint, trotzdem ihr Zuhause finden? Ein Zuhause, wo es ihnen gut geht. Sie in Ruhe abhängen können...

Wo sie genug Nahrung in Form von Mücken und Nachtfalter finden.

Die ich ja nun partout nicht in meiner Wohnung haben möchte!

Ich freue mich immer über Besuch. Über Verabredungen und Überraschungen.

Gerade klingelt es! Ach wie schön, Anja kommt auf einen Sprung vorbei. Ein äußerst willkommener Überraschungsgast. 😊 Ich stell gleich mal die Kaffeemaschine an. Aber ganz vorsichtig…

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