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Jahresrückblick 2025 - zwischen den Zeilen

  • Autorenbild: Christine Ubeda Cruz
    Christine Ubeda Cruz
  • 31. Dez. 2025
  • 4 Min. Lesezeit

Stripe von Gerhard Richter: was siehst du zwischen den Zeilen?
Stripe von Gerhard Richter: was siehst du zwischen den Zeilen?

2025 habe ich mir erlaubt, wieder Anfängerin zu sein. Mit Neugier statt mit Können, mit Freude statt mit Anspruch. Das hatte etwas Befreiendes. Das Jahr war leise – und genau darin ehrlich und klar. Ich habe erkannt: Es muss nicht alles ein Meisterwerk sein. Aber es darf meines sein. Und es darf Freude machen.


Es begann mit einer kleinen Hand, einer Brezel und einer Schnecke. Ein Moment, der nichts wollte und doch alles sagte. Er zeigte Selbstlosigkeit und eine ganz natürliche soziale Kompetenz. Ja, so kann aus der Welt etwas werden. Wenn wir teilen. Vielleicht eine Brezel. Sogar mit einer rosa Schnecke. Dieser Moment wurde zu einem stillen Leitfaden für mich. Sanft. Voller Liebe und einfach da.


Schnecke mit rosa-braun gestreiftem Häuschen die eine Treppe herunter kriecht
Eine rosa Schnecke - mit verantwortlich für Selbstlosigkeit

Jetzt sitze ich am Schreibtisch und blicke zurück. Etwas, was ich nicht so gerne tue. Doch will ich mich an diesem #Jahresrückblog25 beteiligen. Und sollte – so rät die Bloggerqueen Judith – einen Jahresrückblick schreiben. Gut für die Reichweite, gut für viele Leser:innen, gut für die Nahbarkeit. Allerdings: will ich das? JEIN. Jedoch nur auf meine Art. Interessiert es, dass mein Jahr eher so „lala“ war? Dass ich oft krank war? Gereist bin? Erfolge und Misserfolge hatte? All das gab es. Und bleibt privat.



Bilder ohne Fotos


Also: Was für ein Jahresrückblick soll das hier werden? Ich sehe kleine Verschiebungen. Gedanken, die sich einnisteten. Fragen, die wichtig waren. Und Antworten. Unaufgeregt kamen sie zu mir, fast beiläufig – und blieben. Ich habe gelernt: In einer ehrlich gestellten Frage steckt oft mehr Mut als in einer fertigen Meinung.


Ich erinnere mich an diese Szene im Supermarkt, die mich kurz lachen ließ – und dann eine Geschichte schreiben. Eine Kundin fragte ihren übellaunigen Partner in der Obst- und Gemüseabteilung: „Erinnerst du dich noch an den Geschmack von Erdbeeren?“ Eine wunderbare Frage. Keine, die nach einem schnellen Ja oder Nein verlangt, sondern nach einer echten Antwort. Eine, die Gefühle, Wünsche und Sehnsüchte sichtbar macht. Und eine, die nicht beantwortet, was ich nicht weiß – sondern was ich wirklich wissen will.


Kleine Walderdbeeren und große pralle Früchte auf einem weißen Teller
Erinnerst du dich an den Geruch von Erdbeeren?

Eine weitere Frage bewegte mich ebenfalls: Muss der Mensch das Handy sofort zücken, sobald es zuckt? Meine Antwort war überraschend klar: nein. Mein Wunsch dahinter: Freund:innen sehen, umarmen, echte Vibrationen spüren. Solche, die kein Handy liefern kann – nur das Leben selbst.


Nun schaue ich verträumt in die zuckende Flamme einer Kerze und erinnere dieses wunderbar leise Gefühl von Resonanz. Ein Erlebnis mit meinem Lieblingsmenschen hat mich spüren lassen, wie kostbar Echo im Leben ist. Ich liebe diesen inneren Widerhall, der entsteht, wenn Worte, Gesten oder Taten etwas bewegen. Und die Erkenntnis, dass echter Gewinn nicht im perfekten Ergebnis liegt, sondern in dem, was es in uns auslöst.


Das Jahr war voller bröckelnder Gewissheiten. Politische Umbrüche, wirtschaftliche Sorgen, die Frage, ob wir als Gesellschaft eigentlich noch zusammenhalten oder uns bereits gegenüberstehen. So erschütternd, dass ich meine übliche „Gute-Laune-Schreibe“ zugunsten dieses ernsten Themas verließ. Und – oh Wunder – es gab keinen Shitstorm. Stattdessen: ein Fünkchen Hoffnung. Vermittelt mit der Gewissheit, aktiv mitarbeiten zu können und zu müssen. Ohne Spektakel. Sondern mit vielen kleinen beharrlichen Schritten.


Mittlerweile schätze ich sogar den Alltag. Kennst du diese magische Ruhe, wenn manches einfach ist, wie es immer ist? Dieser nicht planbare Mix aus Routinen und Überraschungen? Die stillen Abende am Rechner. Das Nachdenken. Das Schreiben. Der Gedanke: „Wie wunderschön es ist, einfach nur da zu sein.“ Oder der Wochenmarkt am Samstag. Der Spaziergang am Sonntag. Das gemeinsame Kochen. Routine? Vielleicht. Aber sie zeigt mir, wie viel Wärme im Alltäglichen steckt, wenn ich ihm meine Aufmerksamkeit schenke.


Was ebenfalls bleibt:

  • das Gefühl, nicht immer sofort antworten zu müssen, sondern Präsenz dort zu schenken, wo mein Herz wirklich ist

  • die Erkenntnis, dass Optimismus kein blinder Glaube ist, sondern eine Haltung. Meine Haltung.


Bei und in mir bleibt, worüber ich nicht öffentlich schreibe:

  • die stillen Momente der Dankbarkeit an der Seite meines Lieblingsmenschen

  • die gelegentlichen Zweifel – „Habe ich genug gelebt? Habe ich genug gegeben?“ – und die leise Antwort: Ja.


Manchmal ist das Wichtigste das, was wir nicht aufschreiben. Weil es zu privat und zu kostbar ist. Aber es ist da. Und zählt.


Wenn ich jetzt hier zurück lese, entdecke ich zwischen den Zeilen viele Bilder ohne Fotos. Gefühle, die sich festgesetzt haben. Die mich begleiten und bleiben. Ohne sich aufzudrängen. Ohne Erklärung. Still. Genau richtig. Danke!


Mein Fazit: Ein Jahr wie viele andere – und doch ein Geschenk. Es waren 365 Tage der kleinen Schritte, der stillen Momente, der unsichtbaren Kämpfe. Vielleicht liegt genau darin das Geheimnis: Dass das Leben nicht aus Highlights besteht, sondern aus dem, was dazwischen passiert.


So endet dieser Rückblick mit einem Lächeln. Und der Gewissheit, dass neue Tage, Wochen und Monate vor mir und dir liegen: unperfekt, anstrengend, wunderschön. Let‘s go!



Kalenderblatt mit der Aufschrift: Bevor ich dam Jahr 2026 zustimme, würde ich gern mal die AGB's lesen.
Ja, wo sind die AGB's denn versteckt?

Ein Notizheft, auf dem 2 Hoptimisten stehen
Ich bin und bleibe (H)optimist





























Kalenderblatt mit Aufschrift: Vorsatz fürs neue Jahr: Ich bleibe auch im nächsten Jahr so wie ich bin.
und schreibe weiter!

9 Kommentare

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Diana
05. Jan.
Mit 5 von 5 Sternen bewertet.

Dieses „nicht die Highlights, sondern das dazwischen“ ist so wahr und gleichzeitig so tröstlich. Gerade die kleinen Schritte, die stillen Momente und die unsichtbaren Kämpfe sind oft das, was uns am Ende am meisten verändert (auch wenn es im Außen niemand sieht). Danke, dass du das so ruhig und klar in Worte fasst, das ist ein Geschenk für alle, die ihr Jahr nicht in Meilensteinen messen können oder wollen.


Wenn du magst: Ich bin Diana und schreibe auch viel über leise Entwicklung, Überforderung & Schritte, die wirklich tragen. Vernetz dich gern mit mir: www.diana-fux.com 🤍

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Frauke Schramm
02. Jan.
Mit 5 von 5 Sternen bewertet.

Liebe Christine, ja, in manchen Jahren passiert sehr viel "innen" ... das darf auch so sein. Danke, dass Du es mit uns geteilt hast! Liebe Grüße Frauke

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Gast
03. Jan.
Antwort an

Liebe Frauke, mir sind solche „Innen-Zeiten“ sehr wertvoll. Zeiten sie doch deutlich, dass wir spüren.

Alles Liebe für dein neues Jahr Christine 🫶

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Gast
02. Jan.

Liebe Christine, danke für deinen "stillen" Rückblick. Er ist eine Wohltat in der höher-schneller-weiter-Blase des Internets. Herzliche Grüße Angela

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Gast
02. Jan.
Antwort an

❤️lichen Dank liebe Angela. Einen Satz mit der höher-schneller-weiter-Blase hatte ich ursprünglich im Text. Und ihn dann wieder rausgenommen. Weil unnötig. Können "Andere" machen, das bin ich nicht. Dir ein gutes neues Jahr Christine🫶

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Claudia
02. Jan.
Mit 5 von 5 Sternen bewertet.

Liebe Christine

Was will ich teilen, was nicht und darüber sitze ich gerade...

Und dann kamst du😍 schreibst doch glatt wie ich mich fühle - mitten ins Herz


Danke dir für jedes Wort und jede Zeile. 🫶🏻


P.S. AGB unterschrieben?! 🙃


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Gast
02. Jan.
Antwort an

Liebe Claudia,

hab' die AGB's für 2026 noch nicht gefunden. 😅

Ich bleibe aber optimistisch! Also fürs Jahr 2026, fürs Leben und für mich. Dafür brauche ich keine AGB's...


❤️lichen Dank für Deine lieben Worte.

Und - lass Dein Herz sagen, was du teilen möchtest und was nicht. Meine Erfahrung: Das ❤️scheint ein guter Ratgeber zu sein!

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Rela Reichen - tastenundtasten
01. Jan.

Liebe Christine,

Es ist so entspannend, deinen Jahresrückblick zu lesen. Endlich mal finde ich jemanden, der gerne schreibt, aber nicht von extrem vielen aufregenden und tollen Erlebnissen berichtet. Trotzdem ist dein ziemlich stiller Jahresrückblick spannend zum Lesen. Du schreibst über die Freiheit, nicht immer antworten zu müssen, nicht alles be-schreiben zu müssen und über die kostbaren, oft unscheinbaren Alltagsmomente. Bleib, wie du bist und schreibe, was du willst :-)

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Gast
02. Jan.
Antwort an

Liebe Rela,

❤️lichen Dank! Schön, dass dir mein Jahresrückblick gefällt. Und das es entspannt ihn zu lesen - das finde ich wiederum spannend. 🤔

Mein Credo, auch für die Zukunft, bleibt: Jede Geschichte ist erzählenswert!

Und neben der Freiheit, nicht immer sofort antworten zu müssen, liebe ich die Freiheit, Dinge anders als die anderen machen zu dürfen.

Wenn du ab und an mal eine Geschichte über die ruhigen Dinge des Lebens lesen möchtest, freue ich mich, wenn du auf https://www.frauvommain.de/ vorbeischaust.

Einen guten Start wünscht Christine

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